Von Theo Sommer

Das Drängen der europäischen Verbündeten brachte Ronald Reagan im vergangenen Jahr dazu, sich zu amerikanisch-sowjetischen Gesprächen über Mittelstreckenraketenwaffen in Europa zu bequemen. Jetzt hat ihn der Druck der anschwellenden Friedensbewegung in den Vereinigten Staaten genötigt, eine baldige Verhandlungsinitiative auf dem Felde der strategischen Atomwaffen anzukündigen. Mit dieser Ankündigung will der Präsident dem immer lauter werdenden Ruf nach einem Einfrieren der Nuklearrüstung in Ost und West entgegentreten, dem sich mittlerweile 70 Prozent der Amerikaner angeschlossen haben. Irgendwann im Sommer soll der abgerissene Gesprächsfaden wieder aufgenommen werden.

So weit, so gut? Es bleibt da eine ganze Reihe von Fragezeichen.

Zunächst einmal haben sich die Reagan-Leute bisher nicht durch überwältigende Entscheidungsfreude ausgezeichnet. Nach fünfzehn Monaten im Amt besitzen sie immer noch keine Abrüstungspolitik. Ein erster Termin für den Klärungsprozeß verstrich schon im Herbst letzten Jahres, ebenso das Datum, das ursprünglich für die Wiederaufnahme der Verhandlungen über die strategischen Waffen gesetzt war.

Dann sind sich die Berater des Präsidenten im Grundsätzlichen immer noch nicht einig. Soll die Begrenzung weiterhin auf Trägerwaffen und Gefechtsköpfe zielen? Oder sollen die Explosionskraft der Waffen und die Schubstärke der Raketentriebwerke zugrunde gelegt werden? Soll man "tiefe Einschnitte" in die beiderseitigen Arsenale vorschlagen oder empfiehlt sich ein Vorgehen in kleinen Schritten? Vor vierzehn Tagen noch wurden in Washington acht verschiedene Verhandlungsansätze diskutiert. Mittlerweile sollen sie auf wenige Optionen eingedampft worden sein. Die Entscheidung läßt auf sich warten.

Schließlich bleibt der Präsident bei seiner alten Junktims-Vorstellung: Ob im Sommer mit den Sowjets über die Raketenrüstung verhandelt wird, will er von der internationalen Lage abhängig machen, vor allen Dingen wohl von der Entwicklung in Polen. Wozu selbst der entspannungsunverdächtige Londoner Economist bemerkt: "Es läßt sich Treffliches zugunsten von Sanktionen wegen Polen sagen, aber nichts spricht dafür, in solche Sanktionen einen Stopp jener Verhandlungen einzubeziehen, die, haben sie Erfolg, den Vereinigten Staaten Nutzen bringen werden."

Wieder einmal geht es denn in Washington um die Grundsätze westlicher Sicherheitspolitik: