Auch für den deutschen Elektrokonzern gelten künftig die Normen des Marktführers IBM

Seit neun Monaten ist Claus Kessler für das Computer-Geschäft von Siemens verantwortlich – jetzt präsentiert er eine neue Strategie für den defizitären Unternehmensbereich des Elektrokonzerns.

Der neue Weg ist alt: Siemens kehrt zum Ausgangspunkt zurück, zur vollen „Verträglichkeit“ (Kompatibilität) seiner Elektronenrechner mit denen des Marktführers IBM. Das war bereits die Siemens-Strategie in den sechziger Jahren. Doch später entfernten sich die Siemens-Computer in technischer Auslegung („Hardware“) und Programmen („Software“) von den Standards der IBM; Kunden des Größten waren nur noch schwer zum Umsteigen zu gewinnen.

Die Kompatibilität zweier Rechnerserien hängt entscheidend von den „Betriebssystemen“ ab, von den in den Herstellerprogrammen fixierten „Regieanweisungen“ für den Umgang mit dem Rechner. Denn daran orientieren sich auch die aufwendigen – und teuren – Anwenderprogramme. /

Um trotz unterschiedlicher Rechner-Modelle und Betriebssysteme der IBM auch Großkunden abwerben zu können, entschloß sich Siemens deshalb vor über drei Jahren zu einer zweigleisigen Verkaufspolitik: Neben den hausgemachten Rechnertypen bot, der Konzern eine vom japanischen Partner Fujitsu stammende Großrechnerserie an, die voll mit IBM-Modellen kompatibel ist. Die Käufer dieser Anlagen brauchten ihre bisherigen Anwenderprogramme nicht „umzuschreiben“, sondern können sie ohne Komplikationen weiterbenutzen. Sie können dazu ein von Siemens mitimportiertes Betriebssystem benutzen oder bei ihren IBM-Programmen bleiben.

Kessler-Vorgänger Anton Peisl hatte diese „Doppelstrategie“ entwickelt und mit Verve verfochten. Einerseits verkaufte er die hauseigenen Siemens-Computer, andererseits bot er für die „IBM-Welt“ die Fujitsu-Rechner an.

Veränderter Markt