Das Geheimnis der Chagas-Krankheit glaubt eine Gruppe Londoner Biologen gelüftet zu haben. An den bislang unheilbaren Symptomen der tropischen Seuche leiden rund zwölf Millionen Mittel- und Südamerikaner. Wie das Team um John Wood in Nature berichtete, konnten die ersten eindeutigen Hinweise gefunden werden, wie der Parasit Trypanosoma cruzi das Immunsystem überlistet: Er bringt die körpereigene Abwehr des Opfers dazu, das eigene Gewebe anzugreifen (weshalb die Chagas-Krankhait in die wachsende Listeder Autoimmunkrankheiten aufgenommen werden muß). Von blutsaugenden, auf die Bißwunde kotenden Mücken übertragen, erregt T. cruzi zunächst eine örtliche Schwellung und mehrwöchiges Fieber. Während das Opfer scheinbar gesundet, dringt der Parasit weiter in verschiedene Organe ein. Nach zehn oder zwanzig Jahren kehren die Symptome zurück. Herzversagen, Zusammenbruch des Verdauungssystems und Tod sind oft die Folgen. Wie üblich attackiert der Körper die eindringenden Chagas-Parasiten mit Antikörpern. Woods Gruppe fand nun heraus, daß diese Abwehrstoffe auf spezifische molekulare Kennzeichen („Antikörper reagieren, die sowohl aus der Oberfläche der Erreger als auch aus Herzmuskel- und bestimmten Nervenzellen ragen. Jetzt endlich wissen Mediziner, wie und wo sie gezielt nach Impf- und Heilstoffen gegen die Chagas-Krankheit suchen müssen. Judy Redfearn