Sehenswert

„Time Bandits“ von Terry Gilliam ist ein Märchenfilm voll wunderbarer – und manchmal grausamer – Begebenheiten; eine surreale Abenteuer-Phantasie; ein Science-fiction-Film über Reisen durch die Zeitreine Parodie auf die Welle der Fantasy-Filme; ein irrer Nonsense-Ulk, der die spießige Konsumnwelt der Erwachsenen sarkastisch konfrontiert mit dem Niemandsland kindlicher Träume. Sechs Zwerge – die Time Bandits, die vom Obersten Wesen beauftragt werden, die versehentlich verbliebenen Löcher zwischen Raum und Zeit zu versiegeln – taumeln, etwas vom Wege abgekommen, aus einem Schrank in ein Kinderzimmer und nehmen den elfjährigen Kevin (Craig Warnock) mit auf eine Reise durch die Historie, bei der sie Napoleon (Ian Holm), Agamemnon (Sean Connery) und Robin Hood (John Cleese) begegnen und im Land der Legenden das finale Duell zwischen dem Bösen (David Warner – mit Nixon-Nase) und dem Obersten Wesen (Ralph Richardson – im zerknautschten Zweireiher) erleben. Terry Gilliam, Mitglied der Monty-Python-Truppe (er war Co-Regisseur von „Die Ritter der Kokosnuß“, schrieb und inszenierte „Jabberwocky“ und entwarf die Ausstattung zu „Das Leben des Brian“) hat mit „Time Bandits“ einen Film realisiert, der voller Erinnnerungen an Kinderbücher und Märchenfilme ist: „Alice im Wunderland“ und „The Wizard of Oz“, „Gullivers Reisen“ und „Schneewittchen“, „Der Dieb von Bagdad“ und „Invaders from Mars“. Einen Film, so vollgestopft mit Phantasie, verbalem Witz und einem Feuerwerk visueller Effekte, daß er fast explodiert an seinem Erfindungsreichtum. Für Kinder und für Erwachsene.

Helmut W. Banz

Nostalgisch

„Vier Freunde“ von Arthur Penn. Ein Rückblick auf die sechziger Jahre, nicht darauf, was in der Welt so alles geschah, sondern auf das Leben eines jungen Mannes (Craig Wasson), der als kleiner Junge aus Jugoslawien in die USA gekommen war. Kleine Episoden fügen sich zur Einheit. Die Schule, das Elternhaus, der Freundeskreis, unterschiedliche Erzählstimmen aus dem Off behaupten zunächst den Überblick, indem sie zu den Bildern noch Erklärungen geben, auch Hinweise auf das, was nicht zu sehen war. Später sprechen die Bilder nur noch für sich. Der Überblick wird zum Blick, der sich auf eine Geschichte richtet. „Vier Freunde“, drei Männer und eine Frau, ihre Träume, ihre Hoffnungen und dann ihr Leben, das alles verändert. Wie Isadora Duncan tanzen wollte die Frau (Jodi Thelen), und dann taugt der alte Traum nur noch dazu, einem Kind einen Namen zu geben. Vor allem frei sein wollte der Junge aus Jugoslawien: alles tun dürfen, was man sich vorstellen kann, wie alle richtigen Amerikaner. Und dann versagt er schon bei seinem ersten Traum. Als Jodi Thelen ihn nachts aufsucht, um bei ihm zu bleiben, weist er sie aus Angst vor seinen Eltern zurück. Woraufhin es bis zum Ende des Films dauert, bis sie wissen, daß sie doch immer nur einander geliebt haben. Dazwischen liegen Episoden ihres Lebens, die eher ornamental gestaltet sind. Das Ornamentale gehört zum Film. Weil der Film angewiesen ist auf alles, was ihn äußerlich schmückt. Doch das Ornamentale muß entgrenzend wirken, die Körper müssen über die Rede triumphieren. Wenn nicht, bleibt nur der nostalgische Blick auf alte Zeiten. Norbert Grob

Enttäuschend

„Buddy Buddy“ von Billy Wilder. Ein Mörder-Profi und ein Selbstmord-Amateur, der eine plappert ständig, der andere schweigt: ein zueinander passendes, ein ungleiches Paar – Jack Lemmon und Walther Matthau. Ihre Begegnung beginnt schicksalshaft vor einer Toilettentür. Danach sind sie für das Leben verbunden; der eine bekommt die Beruhigungsspritze des anderen, der andere macht den Mörder-Job des einen – und schießt. Aus Fremden werden Freunde, ungewollt: darüber muß Walther Matthau weinen, und Jack Lemmon freut sich. Trotz Mord und Ehebruch endet schließlich alles gut auf einer einsamen Insel. Es handelt sich um eine Komödie. Da soll gelacht werden. Früher setzte Billy Wilder dabei auf Witz und Leichtigkeit, heute nur noch auf Gags; mühselig und routiniert läßt er die Geschichte des Berufs-Killers, der zufällig an einen lebensmüden verlassenen Ehemann gerät, ablaufen. Man muß die beiden Schauspieler lieben, damit man das vergessen kann. Vor allem auch Klaus Kinski, der in der Rolle eines Sex-Arztes nicht nur so albern aussieht, daß man ihn gar nicht ansehen möchte, sondern in der deutschen Synchronfassung auch noch (mit fremder Stimme) säch sein muß: das ist wirklich nicht auszuhalten.