Teheran feierte die „Wende“ im irakisch-iranischen Krieg. Die Nachbarn am Golf sehen dem, möglichen Sieg der Fundamentalisten voller Unruhe entgegen: Will Chomeini dann seine Revolution exportieren?

Mit der Arroganz des Siegers feierte das islamische Regime die geglückte Offensive gegen den „großen Satan“ Saddam Hussein. „Chomeini muß es uns nur erlauben“, so schrien die Revolutionswächter bei einer Massenkundgebung in Teheran, „dann schlagen wir jede Armee der Welt.“

Der greise Ajatollah gab sich zunächst zurückhaltend. Er ließ wissen, daß seine Armee trotz ihrer Erfolge nicht daran denke, nun im Irak oder anderswo einzumarschieren. Wer, so schränkte Chomeini allerdings ein, Hussein vor einer Niederlage bewahren wolle, dem würden seine „heroischen Kämpfer“ auch eine „schmähliche Niederlage“ beibringen.

Der Grundstein für einen „vernichtenden Sieg“ ist gelegt. Nach monatelangem Stillstand riß die iranische Armee mit ihrer Offensive die Front in den vergangenen Wochen auf. Sie konnte weite Teile der Erdölprovinz Chusestan, die seit Kriegsbeginn vom Irak besetzt war, zurückerobern. Im mittleren Frontabschnitt bei Desful wurden die Irakis um rund 40 Kilometer zurückgedrängt; mindestens 15 000 Soldaten gerieten in dieser Schlacht –einer der größten des Golfkrieges – in Gefangenschaft. Der „glorreiche“ Erfolg kam gerade zurecht zum dritten Jahrestag der islamischen Revolution.

Die irakische Armee steht vor dem Zusammenbruch. Sie wurde überrannt, obwohl Chomeini den Vorstoß mit biblischen Worten angekündigt hatte. An Zahl und Ausrüstung waren die Invasoren überlegen, doch die iranischen Soldaten glichen dieses Defizit durch religiösen Kriegseifer aus: Kinder im Alter zwischen 12 und 18 Jahren – ihre Marschbefehle heißen in Teheran „Pässe zum Paradies“ – und Männer über 50 Jahren waren mit dem Segen Chomeinis an die Front gegangen. Sie sollten, kaum ausgebildet, die regulären Truppen und die Revolutionsgarden verstärken. Westliche Militärfachleute waren entsetzt über die planlos ins Feuer geschickten „Wellen von Menschen“.

Die Irakis dagegen sind in desolater Verfassung. An vorderster Front mußten die einfachen Soldaten von getreuen Anhängern des Präsidenten mit vorgehaltener Waffe in den Krieg getrieben Werden. Die meisten waren Reservisten und Freiwillige, die längst ihren Enthusiasmus verloren hatten; viele ließen sich lieber gefangennehmen, als zum Märtyrer für die irakische Sache zu werden. Sogar Sadcam Hussein gestand die Niederlage unumwunden ein.

Der bevorstehende iranische Sieg beunruhigt schon jetzt die Nachbarn am Golf. Die konservativen arabischen Staaten fürchten, daß Chomeini dann seine alten Pläne wieder aufnimmt und die Revolution exportieren will. Vor allem Saudi-Arabien und Kuweit sahen im Irak bisher ein Bollwerk gegen den islamischen Fundamentalismus. Chomeini läßt keinen Zweifel daran, daß der Krieg so lange weitergeht bis Hussein in Bagdad gestürzt worden ist. Deshalb wirken seine Versicherungen nicht recht glaubhaft, es sei unter seiner Würde, die Revolution mit Gewalt zu verbreiten.