Von Ralf Dahrendorf

London, im April

Drei Millionen Arbeitslose und mehr als zehn Prozent Inflation, massive Haushaltskürzungen im Sozialbereich und Rassenunruhen in den großen Städten – nichts von alledem hat das britische Unterhaus so erregt wie die Besetzung der Falkland-Inseln durch Argentinien. Die Sondersitzung am vorigen Sonnabend erinnerte an die letzte Unterhaussitzung dieser Art: vor mehr als 25 Jahren während des Suez-Abenteuers. Auf einmal ist die Nation, jedenfalls soweit sie durch die Unterhausparteien vertreten ist, sich lautstark einig – gegen die Regierung.

Michael Foot, der sein Leben lang für Abrüstung gekämpft hat, hielt eine vielbejubelte Rede über nationale Größe und Stärke. Der Verteidigungsminister der Konservativen ging im höhnischen Gebrüll seiner eigenen Parteifreunde unter. Der eigentliche Gegner war ja nicht zu erreichen: Lord Carrington, der im Oberhaus sitzt und im Unterhaus nicht erscheinen darf. Dennoch war dem Kenner des Landes alsbald klar, was ein Parlamentsberichterstatter am Montag so ausdrückte: Großbritannien hat heute nach Meinung des Hauses zwei Feinde – das Foreign Office unter Lord Carrington und Argentinien, und zwar in dieser Reihenfolge.

Nun ist der eine Feind geschlagen – aber mit der Ernennung von Frances Pym als neuem Außenminister ist nichts gelöst. Das Rücktrittsgesuch des Verteidigungsministers Nott hat Frau Thatcher einstweilen nicht angenommen.

Derweil nimmt das Schauspiel des 19. Jahrhunderts seinen Lauf. Die gewaltige britische Flotte – ominöserweise von der Presse als "Armada" beschrieben – hat den Hafen von Portsmouth unter dem Jubel von zehntausend Menschen gen Süden verlassen. Transparente verkündeten: "Good luck Navy, give’em hell!" Jetzt tritt für mindestens zwei Wochen eine Pause ein; jedenfalls, was das Handeln betrifft.

Denn an Worten wird es nicht fehlen. Und diese haben es mit drei sehr englischen Problemen zu tun.