Von Irene Mayer-List

Die Arbeitsämter geben sich redlich Mühe, aber meistens können sie nur einen Bodensatz von Problemkindern vermitteln“, klagt Gerhard Büchele, Personalchef der Computerfirma Hewlett-Packard in Böblingen. Rund dreihundert Stellen mußte die Tochterfirma des kalifornischen Elektronikkonzerns im letzten Jahr in Deutschland besetzen. Fast alle sind dem Amt gemeldet worden. Doch in drei von vier Fällen konnte die offizielle Vermittlung keinen geeigneten Bewerber ausfindig machen.

„Trotz der zwei Millionen Arbeitslosen sind qualifizierte Leute immer noch Mangelware“, wundert sich Büchele; er steht mit dieser Erfahrung unter den deutschen Personalchefs nicht allein. Auch in anderen Betrieben und Regionen – von der Lufthansa über die Bundesbahn bis zu Karstadt – ist dieselbe Klage zu hören. Fachpersonal und gute Hilfskräfte sind über die Arbeitsämter in den meisten Fällen einfach nicht zu bekommen.

Selbst bei staatlichen Betrieben haben die Ämter mehr Schwierigkeiten denn je, ihre Schützlinge unterzubringen: Die Bundespost zum Beispiel – mit einer halben Million Beschäftigten größter Arbeitgeber in der Bundesrepublik – rekrutiert weiterhin einen großen Teil ihrer Leute über den „freien Markt“. Sie klagt nicht über den guten Willen der Arbeitsvermittler, muß aber immer wieder feststellen, daß sie per Annonce eifrigere Bewerber findet als das Amt ihr schicken kann.

Im vergangenen Jahr hatte die Hamburger Oberpostdirektion dreihundert Ausbildungsstellen für Postboten zu vergeben und versuchte zunächst, über ihre Kollegen vom Amt Bewerber zu finden. Als dann aber nur zehn Interessenten kamen, meinte der zuständige Personalreferent ziemlich enttäuscht: „Für die ist die dreijährige Ausbildung zum Postboten wahrscheinlich nicht attraktiv genug.“ Trotzdem beschloß er, es nochmals auf eigene Faust zu versuchen und hatte prompt mehr Erfolg: Seine Anzeigenkampagne in Tageszeitungen und Wochenblättern rund um Hamburg kostete die Post zwar hunderttausend 1200 brachte dafür aber auch in kürzester Zeit 1200 Bewerber, hundertmal mehr als das Arbeitsamt geschickt hatte.

Die Hamburger Bundesbahndirektion hatte ebenfalls Pech. Hier ging es um Bewerber für Dauerarbeitsplätze. Von 746 offenen Stellen im Raum Hamburg konnte sie im letzten Jahr nur 21 an Arbeitslose vergeben, die von der Arbeitsvermittlung kamen. Inzwischen spart sich der zuständige Personalreferent, Klaus Böker, die Mühe, jede freie Position zu melden. Es bringt ja sowieso nichts.

„Leider muß man sagen, daß die vom Amt vermittelten Leute sehr oft an unserer Tauglichkeitsprüfung scheitern. Entweder sind sie körperlich nicht stark belastbar oder sie bestehen die Reaktionstests nicht.Da sind die Anforderungen natürlich bei uns auch besonders groß, weil selbst ungelernte Rangier- und Betriebsarbeiter eine große Verantwortung tragen.“ Böker sucht seine Leute lieber über die Hamburger Morgenpost und die Bild- Zeitung sowie mit Hilfe von Plakaten auf den Bahnhöfen. „Am offenen Markt ist eben heute eine bessere Auswahl“, fügt er beinahe entschuldigend hinzu.