Handelt es sich denn um Lernminge? Nichts schadet nach allgemeiner Diagnose der Koalition, namentlich der SPD, so sehr wie das Stimmengewirr, das aus ihren Reihen dringt. Aber nichts scheint ihre Politiker daran zu hindern, sich dennoch Tag für Tag in Interviews und andere öffentliche Erklärungen zu stürzen.

„Wegen der dauernden Diskussionen laufen uns die Wähler davon“, hat da etwa Peter Glotz, der sozialdemokratische Bundesgeschäftsführer, befunden. Aber das bremste ihn keineswegs, die Kanzlerthese als falsch zu bezeichnen, nach der es für die SPD links von der Mitte keine Mehrheit mehr gibt. Man müsse eine größere Anstrengung machen, der Öffentlichkeit zu sagen, wo es langgehen solle, meinte Willy Brandt. Aber fast im gleichen Atemzug sprach er wieder davon, „daß die FDP die Nerven der Sozialdemokraten zeitweilig erheblich strapaziert hat“.

Oder die Sicherheitspolitik: Da geht der Parteivorsitzende davon aus, daß es auf dem bevorstehenden Münchner SPD-Treffen für den Leitantrag des Parteivorstands eine Mehrheit geben wird, nicht jedoch für die Wünsche nach einem wie auch immer beschaffenen Raketenmoratorium. Der Abgeordnete Gerhard Schröder sieht das ganz anders, jedenfalls auf längere Frist: „1983 müssen wir das Nein zu den Mittelstreckenraketen organisieren.“ Und der Juso-Vorsitzende Willi Pieczyk erklärt schon vorbeugend, die Parteitagsdelegierten könnten „nicht die Funktion von Meßdienern für den Bundeskanzler übernehmen“.

Was Wunder, wenn Hans Apel an die aufbegehrenden Genossen appelliert, die Münchner Beschlüsse in den dann folgenden Monaten zumindest schweigend zu ertragen. Aber das wird wohl schwerfallen, wenn Egon Franke zugleich verkündet, solche Herren wie Oskar Lafontaine oder Erhard Eppler wollten aus der Volkspartei einen elitären Zirkel machen und sicherten sich auf diese Weise für alle Zukunft ihren Platz im Abseits.

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Die FDP spielt dazu ihre eigene Begleitmusik. Zwar meint ihr Generalsekretär Günter Verheugen, die bevorstehenden Strukturveränderungen könnten nur zusammen mit der SPD bewältigt werden; zwar versichert der stellvertretende FDP-Vorsitzende Uwe Ronneburger, die Liberalen würden sich weiterhin exakt an die mit den Sozialdemokraten getroffenen Koalitionsvereinbarungen halten. Aber Teile der SPD hätten eben Schwierigkeiten, die gemeinsam formulierten ‚Grundsätze zu vertreten. Und Graf Lambsdorff hat sich wiederum nicht bereit gezeigt, auf den Bestand des Bündnisses bis 1984 zu wetten.

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