Von Karl-Heinz Janßen

Dramatische Ereignisse der Weltgeschichte fangen oft harmlos an. Die Falkland-Krise begann vor drei Jahren mit einem seriösen Schrotthandel. Constantine Sergio Davidoff, argentinischer Schrotthändler griechischer Herkunft, wollte auf Süd-Georgia, einer Inselgruppe 800 Meilen südöstlich der Falkland-Inseln, die von den Engländern verlassen Walfangstationen abwracken. Er wurde mit dem britischen Besitzer handelseinig, der heilfroh war, für seine in arktischer Luft dahinrostenden Installationen noch einen guten Preis herauszuschlagen.

Niemand in London fand an diesem Geschäft etwas Anstößiges. Schließlich hatten die Argentinier dort unten längst ihren Fuß in der Tür: Sie unterhielten den Flugverkehr zu den Falkland-Inseln, hatten sogar in Port Stanley eine Rollbahn gebaut; sie managten den Postverkehr; sie versorgten die Inselbewohner mit Öl.

Im Dezember 1981 fuhr Davidoff zum erstenmal nach Leith auf Süd-Georgia, um sein rostendes Gut zu inspizieren. Zur selben Zeit aber änderte sich in Argentinien der politische Kurs: General Leopoldo Fortunato Galtieri ergriff zwei Tage vor Weihnachten die Macht, und er erkannte blitzschnell, welch günstige Gelegenheit sich ihm bot. Der schneidige Kavallerieoffizier, einst von den Amerikanern in der Panama-Kanalzone ausgebildet, hatte sich ein hehres nationales Ziel gesetzt: Noch vor dem 3. Januar 1983 – an jenem Tag würden die Falkland-Inseln genau 150 Jahre zu Großbritannien gehören – wollte er die "Malvinen", wie man in Argentinien die Inseln nennt, heim ins Reich führen.

So fuhren denn am 15. März vierzig Abwrackarbeiter an Bord eines argentinischen Kriegsschiffes nach Leith, ohne britische Erlaubnis. Die Mariner hißten auf der unwirtlichen Insel die blau-weiße Nationalflagge, zogen sie aber wieder ein, als britische Beamte anrückten. Man war nett zueinander: Die Argentinier boten den Briten einen Rentierschmorbraten an, den diese aber verweigerten, weil die Invasoren gegen die britischen Jagdgesetze verstoßen hatten.

Allmählich wurde man auch in London aufmerksam – die Royal Navy beorderte ihr Antarktis-Patrouillenboot Endurance nach Süd-Georgia, um dort nach dem Rechten zu sehen. Um dieses Schiff, dem einzigen Vorposten der einst so glorreichen britischen Seeherrschaft, hatte es jüngst in England erbitterte Auseinandersetzungen gegeben, weil die Politiker nicht mehr die zwei oder drei Millionen Pfund jährliche Unterhakskosten aufbringen wollten. Da mochte sich wohl bei den Falkländern, den treuen Untertanen Ihrer Majestät, aber mehr noch in Argentinien der Eindruck einstellen, Großbritannien habe die Falkland-Inseln bereits abgeschrieben.

Nicht Engländer waren die ersten Siedler auf den Inseln, sondern französische Seeleute aus St. Malo, die sich dort 1764 niederließen. Von diesen Malouines leitet sich der spanische Name Isias Malvinas ab. Lange Zeit blieben die Inseln zwischen Franzosen, Engländern und Spaniern umstritten. 1816 erhoben die Argentinier Ansprüche, als Rechtsnachfolger der spanischen Krone, schickten sogar einen Gouverneur. Anfang 1833 aber, so weiß jedes argentinische Schulkind, da erschien die britische Schaluppe Clio vor Port Stanley, verwies den argentinischen Schoner Sarandi des Platzes und hißte den Union Jack.