Über staatliche Förderungsmaßnahmen soll neues Risikokapital angelockt werden

In den Börsensälen wird die intensiver werdende Diskussion über Maßnahmen zur Förderung des Aktiensparens aufmerksam registriert. Die in den letzten Jahren gefährlich geschrumpfte Eigenkapitalbasis der Unternehmen macht eine Aufwertung der Aktie als „Sparinstrument“ dringend erforderlich.

Den Kreditinstituten brennt das Problem des knappen Eigenkapitals ihrer Kunden auf den Nägeln. Am Ende der langen Hochzinsphase sehen sie einen Teil ihrer Kredite gefährdet. Die Ausfälle häufen sich.

Es ist deshalb auch kein Wunder, daß gerade die Banken einen Maßnahmenkatalog zur Förderung der Aktie auf den Tisch gelegt haben. Gleichzeitig drängen sie darauf, daß die Aktiengesellschaften das zur Zeit einigermaßen günstige Börsenklima für Kapitalerhöhungen nutzen. Bei den letzten Transaktionen dieser Art hat es sich allerdings gezeigt, daß Kapitalerhöhungen keine „Selbstgänger“ mehr sind. Die Zahl der Aktionäre, die unbesehen an jeder Kapitalerhöhung „ihres“ Unternehmens teilnehmen, schrumpft.

Die Aktienbesitzer haben inzwischen gemerkt, daß ihre Papiere – wenn sie als langfristige Anlage gehalten werden – im Vergleich zu anderen Anlageformen wenig attraktiv sind und daß das erhöhte unternehmerische Risiko nicht entsprechend honoriert wird.

Daß die Kleinaktionäre die Schuld daran zunächst einmal bei den Unternehmen selbst suchen, ist verständlich. Sie fühlen sich von den Verwaltungen schlecht behandelt und verweisen nicht selten auf die ständig wachsenden Personalkosten, während die Dividenden nicht steigen oder sogar abnehmen. Die Diskussionen auf den Hauptversammlungen lassen das Ausmaß des Mißbehagens erkennen.

In einer Zuschrift auf den Beitrag „Zuschüsse für Aktionäre“ (ZEIT Nr. 11/82) hat Walter Huppert, Sprecher auf zahlreichen Hauptversammlungen, seine Kritik zusammengefaßt, deren wichtigste Punkte, meine verehrten Leser, ich Ihnen nicht vorenthalten will.