Ostern in Palermo: Da sitzen die Familien wieder im Park Favorita, beim Feiertags-Picknick mit Wein, Musik und gebackenem Fisch; da liegen wieder frische Sträuße auf dem Grab des Stauferkaisers – Blumen von Touristen für Friedrich II. Denn pünktlich zu Ostern fallen die Studienreisenden, die deutschen zumal, im chaotischen Palermo ein, einer Stadt, die langsam vor sich hinzusterben scheint und doch lebendiger wird von Tag zu Tag.

Aber die Fremden haben keine Augen für verstopfte Straßen und bröckelnde Wohnviertel, ihr Blick ist fest auf die Vergangenheit gerichtet, auf die Zeugnisse islamischen Prunks und normannischer Strenge, Dom, Palast, Königskapelle Palermo ist Kunststadt, eine Stadt der architektonischen Erinnerungen, wohl wahr, aber welcher Besucher weiß schon, daß dies sogar den Jugendstil mit einschließt? Palermos Via Libertà ist noch heute eine Avenue des Ein de siècle – die Villa Igiea ein Jugendstil-Kleinod von überwältigender Phantasie: Ernesto Basile, der Architekt (1857 bis 1932), ließ Holz wie Schlingpflanzen um Türen, Gewölbe und Fenster ranken, und blütenübersät sind Säulen aus Marmor, Decken aus Stuck; Ettore de Maria Berater, der Zeichner, malte Schwertlilien und Pfauen an die Wände und feine Mädchen mit Wallehaar und blassem Blick. Wo könnte Jugendstil schöner sein? – Aber in Palermo wird es ein Kunststück bleiben: alles zu sehen (Auskünfte: Azienda Autonoma di Turismo, Salita Belmonte, 43, I-90142 Palermo).