Drastische Einsparungen sollen die belgische Fluggesellschaft vor dem Konkurs retten

Belgiens Verkehrsminister Hermann de Croo mußte kürzlich, eingesperrt im Flugzeug, drei Stunden auf dem Brüsseler Flughafen auf den Abflug ins nur zweihundert Kilometer entfernte Luxemburg warten. Wild streikende Arbeiter der staatlichen Fluggesellschaft Sabena hatten die Maschine blockiert, um gegen Pläne der Regierung zu protestieren, Löhne und Gehälter des Sabena-Personals um bis zu siebzehn Prozent zu kürzen. Die Einkommensminderung, die die Regierung Piloten und Hostessen in gleicher Weise wie Flugschein Verkäufern und Wartungspersonal zugedacht hat, ist Teil des Konzepts, das Verkehrsminister de Croo zur Sanierung der seit Jahren nur noch mit Verlust fliegenden Gesellschaft ausgearbeitet hat.

Daß die marode Staatslinie nicht schon längst eine Bruchlandung gemacht hat, verdankt sie kontinuierlich fließenden Zuschüssen, mit denen die Brüsseler Regierung die eingebogenen Verluste diskret ausglich. Rund 2,34 Milliarden Franken, das sind etwa 126 Millionen Mark, betrug das Defizit im vergangenen Jahr, womit sich der Schuldenberg der Fluggesellschaft auf insgesamt 667 Millionen Mark erhöhte. Für dieses Jahr rechnet Sabena-Vorstandschef Carlos van Rafelghem mit noch größeren Verlusten, da schon allein die 8,5prozentige Abwertung des belgischen Franken vom Februar mit zusätzlichen 32 Millionen Mark auf der Sollseite zu Buche schlug.

Dabei kann sich die belgische Fluggesellschaft, wie van Rafelghem meint, durchaus mit anderen Gesellschaften in Europa vergleichen. Das Verkehrsaufkommen wuchs im vergangenen Jahr trotz der sonst überall rückläufigen Passagierzahlen um acht Prozent. Flugzeuge mit dem blaueingerahmten S an der Heckflosse waren im vergangenen Jahr im Durchschnitt zu 65 Prozent besetzt. "Das ist in Europa ein Spitzenergebnis", sagt van Rafelghem.

Daß die Sabena trotzdem mit roten Zahlen abschließt, hat mehrere Gründe. Das Hauptproblem ist die ungenügende Kapitalausstattung. Tatsächlich beträgt das Grundkapital der Gesellschaft nur 750 Millionen belgische Franken. "Dabei kostete aber schon ein Jumbo", wie van Rafelghem klagte, "vier Milliarden". Ein anderes Problem ist der hohe Personalbestand. Mit 425 Beschäftigten pro Flugzeug ist Sabena Spitzenklasse in Europa. Zwar, so erläuterte die Geschäftsleitung in ihrem Jahresbericht, verrichtete ein Teil der über 9000 Sabena-Angestellten ausschließlich Dienstleistungen für andere Fluggesellschaften, so daß der Vergleich nicht ganz stimme. Trotzdem ist der Abbau der Personalkosten im Sanierungskonzept des Verkehrsministers ein wichtiger Faktor.

Nicht nur mit vorzeitigen Pensionierungen, sondern auch mit drastischen Gehaltskürzungen soll es daher ernst werden. Denn um die erforderliche Kapitalaufstockung durch Ausgabe von Sabena-Anteilen an halbstaatliche und private Investoren attraktiv zu machen, müssen, wie der Verkehrsminister der Sabena-Geschäftsleitung deutlich machte, überzeugende Einsparungen durchgesetzt werden.

Allein eine Milliarde belgischer Franken, das sind; 54 Millionen Mark, sollen durch die Gehaltskürzungen eingespart werden. Andernfalls, so hatte de Croo angedroht, müsse die Gesellschaft (Werbeslogan: "Go Belgian, go Sabena") Konkurs anmelden.