Früher haben Veranstalter mit neuen Urlaubszielen überrascht, der Pauschalreise zu Nuer und Murle (beides sudanesische Rindernomaden) zum Beispiel oder dem Psychokurs in Mittelfinnland, Urschrei inbegriffen.

Heute, wo der Kunde, preisbewußter geworden, kühl zwischen der geführten Gorilla-Safari und dem Kurzbesuch bei Kopfjägers abzuwägen weiß, müssen die Veranstalter auf neue Reise-Anreize sinnen. – Doch in einer Zeit, in der die Welt immer kleiner wird und das Reisebudget der Bundesdeutschen desgleichen, wird dies immer schwieriger; einer Zeit überdies, in der die Programme der Großen in der Reisebranche immer ähnlicher werden und die Preise sowieso. Da sorgen nur noch Extra-Leistungen für den kleinen Unterschied. Der sieht dann so aus: Sonder-Frühstück (mit Müsli), Frischobst-Teller (auf dem Zimmer), Augenbinde (für Langzeitflüge), das macht’s. Macht’s das?

Es freut einen darum richtig, wenn einer mal so eine gute Idee hat, wie die Inzeller Gastager-Reisen. „Unterwegs bleibt für die (Postkarten-)Schreiberei meist nicht viel Zeit“, ist dem Veranstalter aufgefallen. Und diese Erkenntnis, die er aus seinen „mehr als zwanzigjährigen Outgoing-Erfahrungen“ (Pressetext) gefiltert hat, können wir, obwohl mehr an homecoming interessiert, voll und ganz unterschreiben.

Gastagers Service: Lange vor dem Abflug in den Fernen Osten oder in die USA bekommt der Kunde bis zu vierzig (in Ausnahmefällen: hundert) Postkarten gratis und unfrankiert ins Haus geschickt. Denn die bunten Grüße mit den jeweils passenden Motiven (Gastager: „Wir decken jede Reisevariante ab“) werden natürlich nach der konzentrierten Heimarbeit („Hotels prima, Wetter auch“) erst aus dem Ausland an die Freunde daheim verschickt,

Hier – so finden wir, hat Gastagers beliebter Postservice (die Millionste Gratiskarte wurde gerade versandt) seine Grenzen: Denn, Hand aufs Herz, ist uns mit vorgeschriebenen Postkarten wirklich gedient? Bleibt da nicht die Ungewißheit, wo es in der Fremde Briefmarken gibt (bei Automaten: Kleingeld-Mangel!)? Und hat nicht auch schon die Suche nach Briefkästen manchen Pauschalreisenden zur Verzweiflung gebracht? Läßt da uns Gastager nicht letztendlich doch allein?

Wir finden, hier ist eine grundsätzlich wichtige Idee verschenkt worden; Denn am kundenfreundlichsten wären wohl internationale Reise-Briefträger, die Postkartengrüße eigenhändig vom gewünschten Zielort zum Berufskollegen oder Hausnachbarn befördern. Dann kann man sich selbst das Reisen sparen, die Freunde aber ärgern sich doch: „Hotels prima, Wetter auch – Herzlichst...“ syz