Von montags bis freitags stehe ich Punkt halb sieben auf und begebe mich sodann ins Bad und auf das WC. Meine Frau war bereits vor mir dort. Einer beobachtet den anderen, gleiches geschieht am Frühstückstisch, und das alles nur, weil man unter erheblichem Zeitdruck steht. Kaum sitze ich im Wagen, beobachtet meine Frau hinter der Gardine meine Ausschermanöver; man ist ja ständig eingekeilt.

Seit nunmehr zwölf Jahren fahre ich regelmäßig dieselbe Strecke „in den Betrieb und zurück, wo man den abweisenden Blicken aus Bussen und dienen vor Ampeln und auf Zebrastreifen ausgeliefert ist, erst recht, wenn dazu noch das Sirenengeheul eines Unfallwagens ertönt. Und habe ich endlich einen Abstellplatz auf dem Betriebsparkplatz gefanden, ein numerierter steht mir nicht zu, nähern sich weitere Kollegen mit ihren Fahrzeugen; einer beobachtet den anderen, da es nicht nur um Minuten, sondern auch um Zentimeter geht.

Bis zur Mittagspause bin ich an meinen Schreibtisch gefesselt, den ich im Schnitt kurzfristig zweimal verlasse. Im Sommer nutze ich meine Mittagspause des öfteren, um in meinem Wagen mit einem Bein draußen sowie zurückgestellter Rückenlehne und offenem Schiebedach Luft zu schöpfen. Zwei Fahrstühle im Betrieb verkürzen die Wege, so daß man sich kaum die Füße vertreten kann. Und Punkt vier sieht jeder zu, wie er schnellstens zum Parkplatz gelangt und von da wieder herunter. Unmißverständliche Blicke haben dabei das Sagen.

Nach der Rush-hour setze ich mich erst einmal hin und nehme danach die ganze Wohnung voll in Augenschein, was einem Aufatmen gleichzusetzen ist aus Dankbarkeit gewissermaßen in puncto unversehrter Heimkehr. Anschließend setze ich mich an meinen Schreibtisch, wo immer etwas auf mich, wartet. Ich pflege auch am Schreibtisch zu lesen und nirgends sonst in der Wohnung, bevor ich mich neben meiner Frau vor dem Fernseher niederlasse, was sie sich ausbedungen hat.

Sonnabends und sonntags sitzen wir allerdings länger beim Frühstück und legen uns zwischen dem Mittag- und Abendessen auch einmal hin. Da die Bautätigkeit in unserer Gegend erheblich zugenommen hat, rückt die Natur immer weiter, was uns jedoch nicht daran hindert, mehr zu tun, als uns nur die Füße zu vertreten. Meine Frau ist der Marschierer, während das Schlendern vielmehr dem Nachhängen meiner Gedanken dient.

Um mir aber ausreichend Bewegung – gleich besserer Durchblutung – zu verschaffen, genießen wir an Regentagen etc. öfter Fußbäder, was besonders den Folgen meines Unfalles zugute kommt, oder unternehmen Lockerungsübungen, darunter auch solche, die von der Heilgymnastin in der Klinik mit mir vorgenommen wurden. Meine Frau ist eher ein sportlicher Typ und arbeitet z. Z. nur noch halbtags.

Wir beide sind durch mein langes Krankenlager enger zusammengerückt, was auch mehr persönliche Offenheit beinhaltet; eine direktere menschliche Ansprache gehört jetzt ebenfalls zu unserer Tagesordnung. Anläßlich der Wochenendausflüge halten wir einander wechselseitig unter und bewegen uns im Gleichschritt, der einerseits der Harmonie und andererseits, zumindest vorläufig noch, meiner persönlichen Sicherheit dient. Ihre Ermahnung, Bewegung und noch mal Bewegung, die sie mir nach meinem Klinikaufenthalt infolge eines schuldlosen Auffahrunfalles auf der Fahrt zur Arbeitsstätte mit auf den Weg gegeben hatten, werde ich trotz allem, wie ersichtlich, weiterhin befolgen.