Die Falkland-Krise eine Weltkrise?

Von Karl-Heinz Janßen

Die Mitteleuropäer haben es sich in den letzten zehn Jahren angewöhnt, über Grenzen und nationale Ansprüche nur noch unter der Prämisse des Gewaltverzichts zu streiten. Dieser Akt der Selbstbescheidung und Selbstdisziplin, gewonnen aus leidvollen Erfahrungen zweier Weltkriege und erzwungen durch das nukleare Patt, hat sich bis nach Südamerika noch nicht herumgesprochen. Eine faschistische Diktatur, deren Spezialität es ist, im eigenen Lande Tausende politischer Gegner samt ihren Familien „verschwinden“ zu lassen, hat sich durch einen militärischen Gewaltakt der britischen Falkland-Inseln bemächtigt und deren britische Einwohner in die Unfreiheit gezwungen.

Was die westliche Welt und der überwiegende Teil der Dritten. Welt den Russen in Afghanistan nicht ungestraft durchgehen lassen wollten, darf auch nicht dem General Galtieri erlaubt werden. .Großbritannien, das jetzt sein Recht zur Selbstverteidigung gegen eine unprovozierte Aggression wahrnimmt, hat die Solidarität seiner festlichen Verbündeten verdient. Hier steht mehr auf dem Spiel als das Selbstbestimmungsrecht von 1800 Schafhirten auf einem Felseneiland im Atlantik. Das argentinische Beispiel könnte Schule machen: in Mittelamerika, in Afrika, in Asien, überall da, wo junge Nationen Grenzen gern zu ihrem Vorteil verändern möchten.

Wie so oft in seiner Geschichte steht Großbritannien zunächst allein, muß es sich militärisch auf die eigene Kraft verlassen. Zu einer kollektiven Strafaktion gegen einen böswilligen Angreifer, wie noch in Korea und im Kongo, ist die Weltorganisation der Vereinten Nationen seit langem weder fähig noch willens.

Die anderen Großmächte, die mit gutem Beispiel vorangehen sollten, handelten selbstsüchtig, eingebunden in die Zwangsjacken ihrer Ideologien und ihrer Interessen. Amerika stimmte zwar im Weltsicherheitsrat mit den Briten, aber die Macht seines Präsidenten, der stärksten Potenz in der westlichen Hemisphäre, hatte zuvor nicht ausgereicht, in einem 53-Minuten Ferngespräch den argentinischen Diktator zur Räson zu bringen. Die Sowjetunion und China, als kommunistische Staaten gehalten, mit der Dritten Welt gegen die ehemaligen Kolonialmächte zu stehen, enthielten sich der Stimme, sicherlich zum Ärger der Argentinier, die zumindest von Moskau mehr erwarten durften, denn sie waren es, die Breschnjew nach dem amerikanischen Getreideboykott über die Runden halfen. Doch ein Veto zugunsten des Aggressors wagen weder Russen noch Chinesen.

Gefragt: Die Kunst der Diplomatie