• Herr Böhme, viele deutsche Unternehmen leiden an einem Mangel an Eigenkapital, der noch dadurch verstärkt wird, daß der Zufluß ausländischen Kapitals in den letzten Jahren erheblich langsamer geworden ist. Vor allem die Amerikaner halten sich zurück – aus steuerlichen Gründen?

Böhme: Zu einem Teil sind es steuerliche Gründe – neben anderen Gründen. Durch die Änderung unseres Körperschaftsteuerrechts im Jahre 1976 ist die bis dahin bestehende faktische Bevorzugung ausländischen Beteiligungskapitals beseitigt worden, was zum Beispiel für die US-Investoren eine deutliche Anhebung der Steuerbelastung zur Folge hat.

  • Die Bundesregierung könnte aber doch, wie sie es mit den Regierungen anderer Staaten gemacht hat, nach Möglichkeiten suchen, diesen amerikanischen Investoren wieder einen Teil der damaligen steuerlichen Belastung abzunehmen Warum ist das noch nicht geschehen?

Böhme: wir haben mit vielen Staaten auf der Grundlage des jetzt geltenden Körperschaftsteuerrechts Verträge abgeschlossen. Wir sind auf dieser Grundlage auch bereit, mit den Amerikanern entsprechende Verträge abzuschließen. Die Amerikaner wünschen jedoch über die jetzt bestehenden, mit anderen Staaten bestehenden Verträge hinaus zusätzliche Besserstellung. Und darüber verhandeln wir seit nunmehr fast sechs Jahren.

  • Was wünschen die Amerikaner? Wünschen Sie einen völligen Erlaß der 25prozentigen Kapitalertragsteuer?

Böhme: Die Amerikaner haben ursprünglich eine Vergütung der Körperschaftsteuer über die Grenze hinweg gewünscht. Das mußten wir ablehnen. Die Frage konzentriert sich jetzt darauf, in welcher Weise die Kapitalertragsteuer reduziert wird, um den Amerikanern entgegenzukommen. Dies ist auch die Verhandlungsvorgabe des Bundestages, der sich dafür ausgesprochen hat, daß Anpassungen gegenüber ausländischen Staaten auf dem Wege über die Kapitalertragsteuer erfolgen.

  • So ist der Sachverhalt schon seit Jahren. Was tut sich Neues?