Der legendäre Guerilla-Stratege General Giap ist gestürzt. Mit ihm wurden auf dem Partei-Kongreß der vietnamesischen Kommunisten fünf Genossen aus dem Politbüro entlassen.

Die politische Karriere des Siegers zweier Indochina-Kriege, der bereits 1980 den Schlüsselposten des Verteidigungsministers verloren hatte, scheint damit endgültig beendet zu sein. Vo Nguyen Giap, der Lehrmeister der Volksguerilla, ist einer von vielen Funktionären, die nun als Verantwortliche für die Wirtschaftsmisere in die Wüste geschickt werden.

In ihren Ämtern bestätigt wurden neben Pham Van Dong auch Partei-Generalsekretär Le Duan und der Staatsratsvorsitzende Truong Chinh. Spekulationen auf einen grundlegenden Wechsel haben sich damit nicht erfüllt, doch ist die Führung Vietnams insgesamt verjüngt worden. Unerwartet kam die Berufung des Außenministers Nguyen Co Thach ins Politbüro, der nur eine kurze Parteikarriere hinter sich hat.

Die „Säuberung“ in der Parteiführung ist ein Symptom für die katastrophale wirtschaftliche Situation. „Im Krieg hatten wir genug zu essen und waren siegreich. Im Frieden sind wir hungrig und erfolglos“, umschrieb die Parteizeitung Khan Dan die, Lage. Abhilfe bringen soll eine Kurskorrektur hin zu größerer Marktfreiheit und mehr Parzellen für die Bauern und verstärkter Förderung der Kleinindustrie.

Hatte sich das kommunistische Vietnam während des amerikanischen Indochina-Engagements noch um gleich weiten Abstand zu seinen Hauptverbündeten China und Sowjetunion bemüht, so ist es heute politisch wie wirtschaftlich weitgehend isoliert und zu „Moskaus asiatischem Kuba“ geworden. Nur die sowjetische Unterstützung (vier bis sechs Millionen Mark täglich) hat bislang den Kollaps des Landes verhindert, das eine Riesenarmee von über einer Million Mann unterhalten muß. Hanoi bezieht 66 Prozent seiner Importe und 90 Prozent seines Erdöls aus der Sowjetunion.

An Versuchen Nordvietnams, diese einseitige Bindung aufzulockern, hat es nicht gefehlt. Die vietnamesisch-amerikanischen Gespräche über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen wurden jedoch nach der Intervention in Kambodscha von amerikanischer Seite beendet. Die Führung in Hanoi hofft – nicht ganz ohne Grund –, daß der Westen allmählich die Besetzung Kambodschas als fait accompli akzeptieren und seine Wirtschaftsblockade aufgeben wird. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits: Mit Frankreich hat sich Hanoi arrangiert, und Japan könnte bald folgen.

Lorenz von Stackelberg