Um Himmels willen, es gibt keine weibliche Kultur. Es gibt nur ein Einmaleins und nur einen Geist, so wie es nur ein Gefühl gibt. Es kann nur darum gehen, das gestörte Gleichgewicht der Geschlechter wieder in Balance zu bringen. Die Frauen, die lange benachteiligt waren, weil die Männer ihnen das Geistig-Männliche absprachen und das Geistig-Weibliche in sich verdrängten, müssen an dieser Wiederherstellung arbeiten, indem sie sich – selbstbewußt – mit den Männern messen. Gefühl und Verstand müssen gemeinsam den Platz im Herzen der Menschen einnehmen – und wer weiß, vielleicht tritt schließlich auch die Weisheit aus ihrem Felsenverlies.

Meret Oppenheim in einem Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“

Heyme geht – und bleibt

Als Ivan Nagel 1971 Intendant am Hamburger Schauspielhaus wurde, hatte er in den ersten schwierigen Jahren gleich gegen zwei Gegner zu bestehen: Goberts Thalia Theater nebenan und die Gründgens-Legende im eigenen Haus. Wenn Ivan Nägel 1985, nach einer eher beschaulichen Zeit als FA2-Korrespondent in New York, ans Theater zurückkehrt, Intendant des Stuttgarter Schauspiels wird, erwartet ihn wiederum zweifache Herausforderung: die Peymann-Legende – und Hansgünther Heyme höchstselbst. Heyme, bis 1985 Schauspieldirektor am Staatstheater, will (mindestens) bis 1988 in Stuttgart bleiben: als Leiter eines fünfundzwanzigköpfigen „Stuttgarter Ensembles“, das ohne jede staatliche Subvention drei bis vier Inszenierungen im Jahr sowie einen Spielfilm produzieren will. Ermöglichen soll das abenteuerlich erscheinende (nach Heymes Ansicht vollkommen realistische) Projekt die Zusammenarbeit der Theaterleute mit der „Film-Company Stuttgart“, welche „in den nächsten Jahren im Zentrum Stuttgarts eine unabhängige Produktionsstätte für Film- und Video-Produktionen auf höchstem technischem Niveau errichten wird“. Finanziert werden soll das multimediale Unternehmen, zu dem auch noch eine Schule für den Theater-, Film- und Video-Nachwuchs gehören wird, durch Gastspiele und Fernseh-Produktionen. Auftreten will das Stuttgarter Ensemble in einer „Stuttgarter Fabrik“ – vor etwa 500 Besuchern pro Vorstellung. Heymes Theater hat bisher weder die Zuneigung der regierenden Mehrheit der Politiker, noch der schweigenden Mehrheit des Publikums, noch der schreibenden Minderheit der Theaterkritik finden können; aber es hat doch eine Schar treuer bis fanatischer Anhänger in Stuttgart – die Nagel den neuen Anfang bestimmt nicht einfach machen werden. Heyme als Pfahl in Nagels Fleisch: eine merkwürdige Metapher, eine merkwürdige Situation. Postscriptum der ZEIT-Fußballredaktion: Auch Jürgen Sundermann, Fußballehrer beim VfB Stuttgart (1. Bundesliga), geht – und bleibt. Sein neuer Verein sind die Stuttgarter Kickers, 2. Bundesliga.

Kunst als Notpfennig

Der Kreisvorstand der Jungen Union in Leverkusen will sich dafür einsetzen, daß die Kunst-Bestände des Museums Schloß Morsbroich verkauft werden. Grund: mit dem Erlös soll die Renovierung des Schlosses, das als kunsthistorisch wertvoller Bau gilt, finanziert werden. Das Land Nordrhein-Westfalen, das die Kosten ursprünglich tragen wollte, hatte die alte Zusage wegen neuer Sparbeschlüsse zurückgezogen. wenn man bedenkt, daß Schloß Morsbroich als Museum nur imaginär existiert (weil es bisher keine geeigneten Räume hat, um die Bestände zu zeigen), daß es aber andererseits dank der Initiative von Direktor Rolf Wedewer ein Ausstellungshaus mit einem guten Namen ist, dann kann es einem so vorkommen, als sei der Verkaufsvorschlag von dem sogenannten gesunden Menschenverstand getragen. Wenn man aber auch weiß, daß hier in 30 Jahren eine beachtliche Sammlung der Kunst der (vorwiegend deutschen) Gegenwart zusammengekommen ist, dann muß man sich wehren gegen den schnöden Versuch, ein lange versprochenes Museum abzutreiben und Kunst durch Kunst finanzieren zu wollen. Die Entscheidung darüber, welche der heute im öffentlichen Besitz befindlichen Kunstwerke möglicherweise wieder zu entbehren seien, kann weder die Junge Union noch die alte SPD fällen (deren Kölner Ratsherren sich im letzten Jahr mit einem ähnlichen Vorschlag profilierten). Es kann sie nicht einmal ein Museumsdirektor fällen, wie man seit der großen Skandalgeschichte um Thomas Hoving weiß, den ehemaligen Direktor des New Yorker Metropolitan Museums, der Finanzlücken in seinem durch spektakuläre Ankäufe ruinierten Budget mit Verkäufen von Meisterwerken von Cézanne bis De Chirico zu decken versuchte. Die Kunst kann nicht Notpfennig für die Kunst sein.