Theorie und Praxis

In der SPD müsse „die Fähigkeit zur stark kontroversen Diskussion vorhanden sein. Auf kritische Stimmen darf nicht mit Ausschluß oder Machtworten reagiert werden“. So hat es der Ortsverein Biberach/Riß in einem Antrag für den Münchner Parteitag empfohlen. Der Antragskommission ist darauf eine originelle Antwort eingefallen. Keß hat sie nämlich dazu geschrieben: „Erledigt durch Praxis“.

Absoluter Gipfel

Der Weltwirtschaftsgipfel vom Sommer 1978 wird ein Kinderspiel im Vergleich zu dem gewesen sein, was Bonn in diesem Juni bevorsteht, wenn es zum Nato-Gipfel kommt. Platzte die kleine Bundeskapitale schon vor vier Jahren aus allen Nähten, so droht sie nun einfach zu überborden: Nicht nur von womöglich vielen hunderttausend Demonstranten, die schließlich nur durchziehen, sondern vor allem auch von bis zu 2000 Delegationsmitgliedern aus den 15 Nato-Staaten und mindestens der doppelten Zahl von Journalisten. Zudem fällt in die Zeit des Gipfels eine Weltdruckerei-Messe in Düsseldorf. Deren Veranstalter haben die Hand schon lange auch auf viele Hotels im Köln-Bonner Raum gelegt. Allen Teilnehmern und Beobachtern des Gipfels ein angemessenes Quartier zu verschaffen, erscheint einstweilen schier unmöglich. Und auch sonst wirft dieser Berg seinen Schatten voraus: Wer immer in Bonn mit dem Treffen zu tun haben könnte, sieht sich vorsorglich mit Urlaubssperre belegt.

Empfangsbestätigungen

Zeitungsberichte, nach denen Hilfssendungen für Polen „gleich in die Sowjetunion geschickt werden könnten“, hat der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Schilling, am vergangenen Donnerstag als „üble Nachrede“ bezeichnet. Er habe sich bei seinem Besuch in Warschau persönlich davon überzeugen können, daß man sich in Polen durchaus bewußt sei, wie wichtig für die Öffentlichkeit der Nachweis ist, daß die Hilfsgüter auch wirklich bei den Bedürftigen ankommen. Das Deutsche Rote Kreuz will seine Hilfsaktionen bis zum Ende dieses Jahres fortführen. Seit April 1981 wurden Güter – vor allem Babynahrung, Medikamente, Wasch- und Reinigungsmittel sowie Kleider – im Gesamtwert von 117,3 Millionen Mark nach Polen gebracht. Ein großes Echo erzielte die im Januar 1982 begonnene Aktion „Ihr Paket für Polen“: Inzwischen sind rund 47 000 Pakete nach Polen transportiert worden.