In Science-fiction-Romanen schießen die Helden oft locker aus der Hüfte. Ihre Colts sind Laserkanonen, die – so die typische Story – den Gegner zu einem Häufchen Asche zerschmoren. Ein „Doc“ aus Wildwest, wo noch mit Blei geballert wurde, wäre im Krieg der Sterne arbeitslos.

Ob die Laser-Schießeisen freilich wirklich so effektiv vernichten, wie es manche Autoren weismachen wollen, erscheint zweifelhaft. Kosta Tsipis, Physiker und Verteidigungsexperte am Massachusetts Institute of Technology (MIT), vertrat kürzlich im Fachblatt Spektrum der Wissenschaft die Auffassung, daß Laserwaffen auf dem heutigen Stand der Technik in den meisten Bereichen herkömmlichen Explosionsgeschossen unterlegen seien.

Die Probleme liegen einerseits in der Zielgenauigkeit, vor allem aber in der Intensität des angeblich tödlichen Strahls. Zerstören kann ein Laser nur dann, wenn genügend Energie auf das Ziel – sei es ein Satellit oder eine feindliche Rakete – trifft. Der Energieübertrag ist aber, so Tsipis, bei den heute üblichen Lasern, die im infraroten oder sichtbaren Teil des Lichtspektrums arbeiten, zu gering.

Eine Verbesserung läge nach Meinung von Experten darin, die Frequenz des Laserstrahls wesentlich zu erhöhen. Nach einer Formel von Einstein ist die Energie eines Lichtquants nämlich direkt seiner Frequenz proportional. Mit elektromagnetischen Wellen höherer Frequenzen, zum Beispiel Röntgenstrahlen, ließe sich also viel mehr Energie übertragen als mit Strahlen des sichtbaren Lichtes.

Vor etwa einem Jahr enthüllte das amerikanische Luft- und Raumfahrtblatt Aviation Week & Space Technology Erkenntnisse über Röntgenlaser ans einem der Geheimtempel der amerikanischen Wissenschaft, dem Lawrence Livermore Laboratory (LLL) östlich von San Franzisko. Physiker aus dem vom US-Energieministerium bezahlten, aber von der Universität von Kalifornien geführten LLL hätten, so die Zeitschrift, auf dem Atomwaffentestgelände in Nevada einen Röntgenlaser zum Strahlen gebracht. Ein Laboratoriumssprecher gab damals nur den nichtssagenden Kommentar: „Ich habe den Artikel gelesen.“

Bei der Geheimniskrämerei der Wissenschaftler aus Livermore geht es nicht nur um die Entwicklung einer Laserkanone. Sie wollen auch Informationen aus dem Bereich der Kernfusionsforschung abschotten. Eine große Arbeitsgruppe in dem Labor versucht schon seit langem, den Kernfusionsprozeß mit Laserstrahlen in Gang zu setzen.

Neuerdings mischt. Livermore allerdings selbst in der Gerüchteküche um den Röntgenlaser kräftig mit. George Chapline, einer der Röntgenexperten in der kalifornischen Forschungsanstalt, hat kürzlich einige hochkarätige Biologen und Festkörperphysiker zum Experimentieren nach Livermore eingeladen. Sie werden die Möglichkeit haben, berichtet das amerikanische Wissenschaftsmagazin Science in einer seiner letzten Ausgaben, Hologramme im Röntgenlicht aufzunehmen.