Ich darf um Entschuldigung bitten... nein! dessen bin ich gar nicht sicher; ich bitte also um Entschuldigung: Jetzt wird es eine Weile zugehen wie in der Schule. Denn irgendwann einmal müssen sie ja vorkommen, der Konjunktiv und die anderen Formen, die fälschlich so genannt werden. Bringen wir es also hinter uns, auch wenn es auf einen Streich nicht gelingen kann.

Der Konjunktiv wird deutsch als „Wunsch-“ oder „Möglichkeitsform“ umschrieben. Das stimmt in Hauptsätzen wie „Gebe Gott“ oder „Sei’s drum“. In den Fällen, auf die es ankommt, drückt der Konjunktiv jedoch nicht so sehr eine Möglichkeit aus und schon gar keinen Wunsch.

„Er sagt, er sei krank.“ Niemand wünscht ihm das. Aber es ist doch mehr als möglich. Er sagt es ja immerhin. Da freilich keiner gern die Verantwortung für die Aussage eines anderen übernimmt, distanzieren wir uns: Er ist wohl krank, jedenfalls sagt er das.

Heute, da wir das meiste, was wir für wahr halten sollen oder wollen, nicht aus eigener Anschauung kennen, gewinnt dieser Konjunktiv in der sogenannten indirekten Rede (nicht der Specher oder Schreiber redet, sondern er gibt nur wieder, was ein anderer geredet hat) so große Bedeutung, daß er unentbehrlich ist.

„Der Oberbefehlshaber hat darauf hingewiesen, daß in seinem Land kein Krieg herrscht.“ Das könnte dem so passen. Über Krieg oder Frieden sind die Militärs keine unvoreingenommenen Zeugen. Wer ihr Urteil nicht aus eigener Erfahrung bestätigen will, muß sich distanzieren und sagen: Der Mann hat darauf hingewiesen, daß kein Krieg „herrsche“, Die Tücke, die eine Distanzierung hier notwendig macht, liegt in dem Verbum „hinweisen“; stünde da nur „gesagt“, dann könnte „herrscht“ stehenbleiben; denn gesagt hat der Oberbefehlshaber das ja tatsächlich.

1. Regel (wir spielen ja Schule): Der Konjunktiv muß in der indirekten Rede – auch wenn sie als „Daß“-Satz formuliert ist – immer dann stehen, wenn es Gründe gibt, sich von der Aussage eines anderen zu distanzieren. Das ist schon nicht mehr nur eine grammatische Regel, das ist schon beinahe ein ethisches Gebot.

2. Regel: Der Konjunktiv ist zeitlos und wird vom Präsens-Stamm gebildet: Er sagt, er sei krank; er sagte, er sei krank; er wird sagen, er sei krank.