Unter der Überschrift „Brief einer alten Dame“ veröffentlichten wir vor drei Wochen den Leserbrief einer 80jährigen, die mit einer Rente von 552 Mark monatlich auskommen muß. Im Zuge der Sparmaßnahmen wurden ihr 70 Mark im Monat weggenommen. Margarete Jägers Brief löste eine Fülle von Reaktionen aus. Sie schrieb uns diesen Dank. Dazu ein Brief von Helga Berthold, die glaubt, daß Margarete Jägers Schicksal kein Einzelfall ist.

Es war für mich eine wirkliche Überraschung, als ich gestern Ihre Sendung öffnete. Hatte ich schon nicht mit der Veröffentlichung meines Briefes gerechnet, so doch am allerwenigsten mit dieser Wirkung. Stellen Sie sich vor: Außer teilnahms- und verständnisvollen Worten, die allein mich schon sehr gefreut hätten, habe ich auch noch zusammen 290 Mark bekommen. Wissen Sie, was ich damit mache? Erst kaufe ich mir die längst fälligen Winterstiefel.

Mit dem Rest erfülle ich mir einen langgehegten Wunsch: Ich fahre an einem schönen Maitag in mein geliebtes München und besuche dort die Museen: Städtische Galerie, Glyptothek, Alte und Neue Pinakothek, in der ich 1924 meinen Mann kennenlernte. Sie liegen alle so herrlich am Königsplatz, kaum 15 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Wenn ich früh halb sieben hier abfahre, bin ich abends um neun wieder hier – es sind zweieinviertel Stunden Bahnfahrt. Wie ich mich freue! Wenn es auch toll leichtsinnig ist. Mein Mann hat ja über alle Kunstausstellungseröffnungen berichtet, 22 Jahre lang.

Hilpoltstein ist zwar eine wirklich süße, sehr kleine Stadt; aber ich bin halt weitab von allem. Wahrscheinlich werde ich auch deshalb so alt, weil ich so stillhalten muß. Tausend Dank und herzliche Grüße! Margarete Jäger

Anmerkung der Redaktion: Inzwischen haben noch mehr Leser geschrieben und Frau Jäger finanziell unterstützt.