Aus Nürnberg kommen seit langem keine guten Nachrichten mehr. Nicht nur die aktuellen Arbeitsmarktstatistiken zeigen eine ständige Verschlechterung der Beschäftigungslage in der Bundesrepublik. Auch der Blick in die nähere Zukunft läßt keinen Silberstreif am Horizont erkennen. Eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt jetzt zu dem Ergebnis, daß die Zahl der Arbeitslosen am Ende dieses Jahres die Grenze von zwei Millionen deutlich übersteigen werde. Und im Durchschnitt des Jahres 1982 wird sie nach den jüngsten Berechnungen der Bundesanstalt für Arbeit mit 1,8 Millionen weit über den bisher prognostizierten 1,6 Millionen liegen – und um fünfzig Prozent über der Arbeitslosenzahl des vergangenen Jahres.

Wenn diese Prognose Wirklichkeit wird, dann läßt sich ohne großes Risiko eine weitere Vorhersage wagen: Sobald die Grenze von zwei Millionen Arbeitslosen überschritten ist, wird in Bonn wieder die große Hektik ausbrechen. Dann werden aufgeregte Politiker nach neuen beschäftigungspolitischen Initiativen rufen; dann wird wieder unter großem Getöse und mit viel Koalitionsgezänk ein Programm verabschiedet, von dessen Wert und Nutzen nicht einmal seine Erfinder so ganz überzeugt sind – wie gehabt.

Wäre es nicht endlich an der Zeit, ein langfristiges Konzept gegen die Beschäftigungskrise zu entwickeln, ein in sich schlüssiges Maßnahmenbündel, dessen einzelne Instrumente gezielt an den verschiedenen Wurzeln der Arbeitslosigkeit anpacken?

Ein beschäftigungspolitisches Konzept, das diesen Namen wirklich verdient, darf kein kurzatmiges Konjunkturprogramm sein; denn zumindest eine der Ursachen für die Misere am Arbeitsmarkt ist langfristiger Natur: Weil jetzt die geburtenstarken Jahrgänge aus den sechziger Jahren und daneben eine wachsende Zahl von Gastarbeiterkindern auf den Arbeitsmarkt drängen, werden wir auch nach Überwindung der aktuellen Wirtschaftskrise noch ein Beschäftigungsproblem haben.

Es ist deshalb nicht damit getan, jedesmal ein paar Milliarden Mark zur Subventionierung von Investitionen zu verpulvern, sobald wieder einmal eine „runde Zahl“ in der Arbeitslosenstatistik erreicht ist. Erforderlich ist vielmehr ein auch in seinen Einzelheiten sorgfältig durchdachtes Programm zur Wiederbelebung der Wirtschaft. Das bedeutet vor allem:

  • Abbau hemmender steuerrechtlicher und bürokratischer Vorschriften.
  • Eine Verteilungspolitik, die breiten Kreisen der Bevölkerung die Möglichkeit gibt, sich an der Kapitalbildung und Investitionsfinanzierung zu beteiligen. Neben der Förderung (statt Diskriminierung) der Aktie geht es hierbei vor allem um die Vermögensbildung der Arbeitnehmer (siehe auch Seite 22).
  • Förderung junger Unternehmer mit neuen Ideen und Produkten, die Arbeitsplätze mit Zukunft zu schaffen.

Der Bundesverband junger Unternehmer (BJU) geht den Politikern mit gutem Beispiel voran. Er will „Patenschaften“ für Firmengründer übernehmen, die Initiative und Risikobereitschaft mitbringen, die sich aber in dem Wust steuerlicher und arbeitsrechtlicher Vorschriften noch nicht zurechtfinden. Hier läge auch eine wichtige gesellschaftspolitische Aufgabe für Großunternehmen. Mit ihrem Stab von Spezialisten könnten sie so manchem Anfänger über die ersten Hürden helfen. Das wäre dann auch ein Ausgleich dafür, daß sie ansonsten so manches kleine und mittlere Unternehmen im Wettbewerb aus dem Markt drängen.

Michael Jungblut