Das Gerede über ein vorzeitiges Ende der sozial-liberalen Koalition und die Ungewißheit über die personelle Umgestaltung des Bundeskabinetts bringt immer mehr Bonner Ministerialbeamten eine vorzeitige Beförderung. Da die noch amtierenden Minister nicht wissen, welcher der beiden denkbaren Schicksalsschläge sie treffen wird, belohnen sie treue Mitarbeiterdienr ste lieber, ehe es zu spät wird.

Nachdem vor kurzem schon Finanzminister Hans Matthöfer mit Beförderungen begonnen hatte, setzte sie Bildungsminister Björn Engholm nun fort. Bedacht wurden diesmal ehemalige enge Mitarbeiter von Engholms Amtsvorgänger Helmut Rohde und dessen Staatssekretär Reimut Jochimsen. Jochimsens ehemaliger persönlicher Referent Hans Konrad Koch wurde zum Ministerialrat befördert, ebenso wie der einstige Leiter des Ministerbüros, Wilhelm Neufeldt.

Damit ist wieder einmal mehr bestätigt, daß Mitarbeiter in der Leitungsebene – gelegentlich etwas abfällig auch „Kofferträger“ der Minister genannt – immer Karriere machen. Daß in diesem Karriereplan. das Parteibuch allemal eine größere Rolle spielt als die Fähigkeiten, steht außer Frage. Schließlich entscheidet das Parteibuch bereits darüber, wer überhaupt persönlicher Referent oder Leiter eines Ministerbüros wird.

Da Beamte ohne Parteibuch auch bei gleicher Qualifikation zwangsläufig das Nachsehen haben, versuchen die Personalräte einiger Ressorts neuerdings mit ihren Ministern einen Kuhhandel: Für den Fall, daß bei der Beförderung eines Parteibuch-Beamten mindestens auch ein Beamter befördert wird, der kein Parteibuch, aber die gleiche Befähigung hat und schon längere Zeit im Dienst ist, wollen die Personalräte auf spektakuläre Protestaktionen verzichten. Eine Hand wäscht eben die andere.

Finstere sozialistische Machenschaften wittert die Unions-Lehrerin Leni Fischer in einer „Kinderfibel“, die Entwicklungsminister Rainer Offergeld herausgegeben hat. Die Fibel ist ein Bilderbuch zum Mitdenken und soll Kindern Probleme der Entwicklungsländer in Kindersprache verständlich machen. Für die CDU-Abgeordnete Leni Fischer ist das pädagogisch gelungene Werk allerdings marxistisches Teufelszeug mit dem Ziel, „ideologisch sozialistische Vorstellungen Kindern möglichst frühzeitig nahezubringen“.

Die ehemalige Lehrerin nahm unter anderem an Darstellungen Anstoß, die aufzeigen, daß die Rohstofferzeuger in der Dritten Welt nur einen sehr bescheidener. Anteil von dem Erlös bekommen, den ihre Waren auf unseren Märkten erzielen, während der weitaus größere Teil beim Transportgewerbe und dem Handel verbleibt.

Der sozialistische Kindes-Verführer Offergeid befindet sich allerdings in gut konservativer Gesellschaft. Leni Fischers Parteifreund Constantin Freiherr von Heereman, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, beklagt auch häufig, daß seine Bauern einen viel zu bescheidenen Anteil vom Enderlös ihrer Produkte bekommen. Heereman ein Marxist?