Falkland-Krise

/ Von Wilfried Kratz

Bankiers wie David Barber, Vorsitzender der britischen Bankiersvereinigung, klammern sich an den Glauben, das nüchterne Geschäft mit Geld und Kredit sei „jenseits der Politik in einem eigenen Bereich angesiedelt“. Der jüngste Beweis des Gegenteils ist der unbekümmerte Eingriff der britischen Regierung in die Londoner Bankenwelt, um in der Falkland-Krise politischen Druck auf Argentinien auszuüben.

„Die City wurde nicht einmal konsultiert“, erklärte ein Bankier beleidigt. Doch die Regierung hatte es eilig. Sie sperrte argentinische Guthaben bei Banken in London, machte die Gewährung neuer Kredite unmöglich und sperrte die Zusage neuer Exportgarantien.

Dreimal in weniger als drei Jahren sind Banken und Finanzmärkte damit in internationale Konflikte hineingezogen worden: Während des amerikanisch-iranischen Geiseldramas in Teheran legte Washington die Hand auf iranische Guthabat bei US-Banken; in der Polen-Krise sind Umschuldung und Gewährung neuer Kredite von der politischen Entwicklung abhängig; im Falkland-Disput versucht die britische Regierung nun, die Argentinier finanziell auszuhungern.

Solche Eingriffe lösen Besorgnis aus, so daß die Zeitung The Guardian befürchtet: „Von nun an könnten Bankiers die Fronttruppen in der internationalen Diplomatie werden. Das könnte sich als verheerend für das Bankensystem erweisen und für London und New York als Finanz-Zentren.“

Der erste Schock kam im November 1979. Nach der Geiselnahme in der amerikanischen Botschaft in Teheran blockierte die Carter-Regierung iranische Bankguthaben von ungefähr acht Milliarden Dollar bei amerikanischen Banken. Die Iraner drehten den Spieß um und wollten ihre Guthaben bei US-Banken in Europa freibekommen. Zur Freude der Juristen jagten sich einstweilige Verfügungen von beiden Seiten.