Nun haben nach den Ford-Arbeitern auch die Automobilarbeiter bei General Motors (GM), dem größten Unternehmen der Welt, für zweieinhalb Jahre auf eine Lohnerhöhung verzichtet. Dem Unternehmen, das von der Automobilkrise in den USA hart gebeutelt wurde und seit zwei Jahren Verluste macht, sollen dadurch zweieinhalb Milliarden Dollar (rund sechs Milliarden Mark) zufließen, um seine „Probleme in diesen bewegten wirtschaftlichen Zeiten in den Griff zu bekommen“, wie Gewerkschafts-Boß Fraser sagt. Sind Amerikas Gewerkschafter also vernünftiger als ihre deutschen Kollegen, die in der Metallindustrie gerade erst wieder unter dem Stöhnen der Unternehmer 4,2 Prozent beim Lohn zugelegt haben?

Nur gelegentlich wird beiläufig erwähnt, daß die amerikanischen Automobilarbeiter automatisch einen Inflationsausgleich erhalten, Lohnerhöhungen bei ihnen also eine reale Erhöhung sind. Deutsche Arbeiter erhalten keinen Inflationsausgleich, und die Tarifabschlüsse des letzten Jahres wie auch der gegenwärtigen Lohnrunde liegen unter der Inflationsrate. Im letzten Jahr büßten sie dadurch ein Prozent Reallohn ein, hatten also de facto weniger Geld zur Verfügung.

Der „Verzicht“ der Amerikaner bedeutet in der Praxis eine Erhaltung des Reallohns und damit des Lebensstandards, worum die deutschen Gewerkschaften derzeit vergeblich kämpfen. Ford wie GM mußten dafür Beschäftigungsgarantie und Verzicht auf Werkschließungen zugestehen. Deutsche Arbeitgeber bringen so etwas nicht über die Lippen; sie stöhnen nur. hm