Wie Milliarden am Fiskus und an den Aktionären vorbeigeführt werden

Von Kurt Wendt

Die Wunden, die sich viele deutsche Banken in den Niedrigzinsjahren 1977/78 dadurch zugefügt haben, daß sie langfristig gewährte Kredite falsch refinanzierten, heilen nur langsam. Aber sie heilen – auch bei der Commerzbank und der Dresdner Bank. Allerdings, es wird noch einige Jahre dauern, bis alle Wunden aus jenen Jahren vernarbt sind.

Die Wiedergutmachung dieser Fehler hat in den letzten Jahren nicht nur einen Teil der laufenden Erträge aufgezehrt, sondern auch zu Verkäufen wertvoller Beteiligungen gezwungen, deren Buchgewinne zum Bilanzausgleich herangezogen werden mußten. Den Abbau von Industriebeteiligungen hat Hans Friderichs, der Sprecher der Dresdner Bank, zwar zur offiziellen Unternehmenspolitik erklärt. Es bleibt aber die Tatsache bestehen, daß sein Haus durch die Realisierung der stillen Reserven, die in den Beteiligungen gesteckt hatten, "ärmer" geworden ist.

Der Vorstand der Deutschen Bank hatte noch gerade rechtzeitig erkannt, wohin nach 1977/78 die Zinsreise ging und das Ruder früher als die beiden Konkurrenten herumgeworfen. Die Deutsche Bank konnte deshalb in den letzten drei Jahren nicht nur ihre Marktposition ausbauen, sondern darüber hinaus ihre finanziellen Polster kräftig anreichern.

Der nicht zuletzt auch dadurch günstig beeinflußte Börsenkurs ihrer Aktie erlaubte es der Deutschen Bank, 1981 neues Kapital "preiswerter" einzukaufen als die Dresdner Bank. Bei ihrer Kapitalerhöhung verlangte die Deutsche Bank 200 Mark für eine neue Aktie zum Nennwert von 50 Mark; die Dresdner Bank konnte nur 125 Mark fordern; die Commerzbank erhielt für die 1980 ausgegebenen jungen Aktien 140 Mark. Für die langfristige Rentabilität sind die Kosten der Kapitalbeschaffung von großer Bedeutung.

Dank der Kapitalerhöhung des vergangenen Jahres, durch die das Aktienkapital um 118 auf 1232 Millionen Mark wuchs und daneben noch die Rücklagen um 356 Millionen gestärkt wurden, war die Deutsche Bank in der Lage, zum zweitenmal hintereinander auf eine Rücklagendotierung aus dem Jahresgewinn zu verzichten, ohne daß dadurch ihre Expansionsfähigkeit beeinträchtigt wurde.