Hat Erich Honecker der Kirche wieder die Daumenschrauben angelegt und sie mit dem strikten Verbot für die jungen Christen, weiterhin die Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ zu tragen, gleich auch angezogen? Ist das Tauwetter verhagelt, das nach dem berühmt gewordenen Verständigungsgespräch zwischen dem SED-Chef und protestantischen Kirchenführern 1978 einsetzte?

Jene Jugendlichen, die drüben das Friedenssymbol tragen, werden dafür häufig „kriminalisiert“, so klagten die DDR-Bischöfe jetzt öffentlich. Immerhin: Sie konnten es wagen, dies vor aller Ohren zu tun. Sie haben, sich nicht ängstlich verstecken müssen. Die Kirche in der DDR ist keine stille Kirche, keine, die sich den Mund verbieten ließe. Sie ist freilich auch – aus christlichem Gewissen und mit fürsorglichem Bedacht gerade gegenüber ihren jungen Gläubigen – zu Mäßigung in der Kritik genötigt. So wenig wie hierzulande ist sie politische Kirche, politisierte Kirche.

Der Staat allerdings richtet sich in seiner Doppelzüngigkeit selber, der die Friedensbewegung bei uns feiert, bei sich aber unter seiner Knute hält. Er knechtet Gewissen: ein unfreier, ein friedloser Staat. D. St.