Ronald Reagan hält seit jeher die Sowjets für „Lügner und Betrüger“, deren Machenschaften alle Unruhe in der Welt zuzuschreiben ist. Denoch hat er sich als Präsident der westlichen Supermacht bald zu der Einsicht bequemt, daß es lebenswichtig ist, den Draht zur östlichen Supermacht aufrechtzuerhalten. Mehrmals schön philosophierte er laut über ein Treffen mit Breschnjew, und jetzt hat er den sowjetischen Staats- und Parteichef zu einer Begegnung am Rande der New Yorker UN-Abrüstungskonferenz im Juni eingeladen.

Die Einladung kommt reichlich spät: Breschnjew ist mittlerweile 75 Jahre alt, siech und nur noch beschränkt verhandlungsfähig. Sie wirkt auch ziemlich unmotiviert: Als Auftakt zu neuen Raketenverhandlungen ergäbe sie mehr Sinn, aber dazu sind die amerikanischen Vorbereitungen noch nicht weit genug gediehen. Dennoch ist es zu begrüßen, daß der Gesprächsfaden zwischen Amerika und Rußland wieder aufgenommen wird. Es kommt darauf an, die Nachfolgegeneration im Kreml rechtzeitig davon zu überzeugen, daß der Westen zwar vor Herausforderungen nicht weicht, daß er sich aber auch einem konstruktiven Dialog nicht verweigert. ts.