Von Wilfried Kratz

Die Tür des Hauses Nummer 10 Downing Street öffnet sich, und im Schatten US-Außenminister Haigs erscheint eine kleine Gestalt mit eingezogenem Kopf und glatt gescheiteltem Haar, bewegt sich ins blendende Licht der Scheinwerfer und spricht nach dem amerikanischen Vermittler zwei Sätze aus dem diplomatischen Repertoire in die Mikrophone: "Zweifellos bestehen noch Schwierigkeiten. Aber wir sind beide sehr darauf bedacht, das Problem mit friedlichen Mitteln zu lösen." Großbritanniens Außenminister Francis Pym, gerade eine Woche im Amt, ist auf die weltpolitische Bühne getreten.

Es ist ein Krisenstart. Außenminister Lord Carrington übernahm die Verantwortung für das – Debakel der argentinischen Falkland-Invasion, nahm seinen Hut und verließ eine Regierung, auf die Kritik von allen Seiten einschlug. Zur Beruhigung von Nation und Partei brauchte Premierminister Margaret Thatcher in diesem Amt eine Person, die Respekt gebietet und von dem Debakel im Südatlantik politisch nicht verwundet worden war. Sie fand Francis Pym, den sechzigjährigen Leader des Unterhauses und einen ihrer ernsthaftesten Rivalen um das höchste Amt im Staate.

Pym, der im Ausland so gut wie unbekannt ist, hatte keine Zeit, sich in die neue Position einzuarbeiten. Er mußte sich sofort an dem diplomatischen Management der Krise beteiligen, die sich zu einer kriegerischen Konfrontation steigern könnte. Doch schon bei seiner ersten Rede vor dem Unternhaus zeigte er sich als politischer Profi. Er dämpfte die nationalistische Aufwallung durch eine kühle Darlegung der britischen Position und mit einem Plädoyer für eine dreiteilige Strategie: Flottenaktion, diplomatische Bemühungen, finanzielle und ökonomische Sanktionen. Geschickt verdammte er die "aggressive Aktion" durch das "brutale und unpopuläre argentinische Regime", verteidigte die Notwendigkeit, mit Gewaltanwendung zu drohen, und pries die Wucht von gemeinsamen Wirtschaftssanktionen. Pym versprach "maximale diplomatische Aktivität", während die Flotte in den Südatlantik dampfte, und kam immer wieder auf die Mobilisierung der Weltmeinung zurück, nachdem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Argentinier schon zum Abzug aufgefordert hatte.

Der Außenminister erhob Großbritannien im Falkland-Konflikt zum Streiter für Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Selbstbestimmung. Heute Falkland und morgen? lautete seine suggestive Frage, Er überließ es den Abgeordneten und der Presse, Namen einzusetzen, wie Gibraltar und Hongkong, Frankreichs überseeische Territorien und Berlin.

Der erfahrene Politiker mit den listigen Fuchsaugen empfiehlt sich bescheiden, aber bestimmt als ein Mann der Vernunft. Wenn der verträgliche Löwe einmal gereizt sei, dann zögere er nicht, einen Schlag für die Freiheit zu führen – auch wenn es nur um 1800 Einwohner auf einer fernen Insel gehe, treue Untertanen der Königin allerdings und in einer Gegend der Welt, wo auch wirtschaftliche Interessen Großbritanniens auf dem Spiele stünden. Pym ließ das Trauma von München nicht aus, denn "Großbritannien beschwichtigt keine Diktatoren".

Die erste Feuertaufe hat Pym gut überstanden. Mit Befriedigung registriert er den Erfolg der raschen diplomatischen Kampagne des Foreign Office, das nun durch hektische Aktivität die Scharte des Falkland-Desasters auszuwetzen versucht. Denn dieser "äußerst professionelle und geschickte diplomatische Apparat, um den uns unsere Freunde und Verbündeten beneiden" (Lord Carrington), hatte die Signale aus Buenos Aires, das Säbelgerassel der Junta, die Vorbereitungen zur Invasion nicht so recht ernst genommen oder nehmen wollen.