ARD, Sonntag, 18. April, 23.20 Uhr: „Kein Ei gleicht dem anderen. Charles R. Darwin – 100 Jahre danach“, Film mit Konrad Lorenz

Nord III, Sonntag, 18. April, 20.15 Uhr: „Charles Darwin – die Revolution dauert an“, Film von Albrecht Fölsing

Meine Güte! Abkömmlinge der Affen! Laßt uns hoffen, daß es nicht wahr ist, aber wenn es so ist, dann laßt uns beten, daß es nicht allgemein bekannt wird.“ Der treffliche Kommentar einer frommen Dame auf Darwins Buch „Die Entstehung der Arten“ gibt sehr schön die Stimmung im viktorianischen England wieder, das auf dem Höhepunkt seiner weltlichen Macht Ausgangsort der vielleicht größten geistigen Revolution der Neuzeit wurde.

Heute, zum 100. Todestag Charles Darwins am 19. April, kann das Zitat als eine Art Meßpunkt zur Bewertung der deutschen Fernsehfilme über den Vater der Evolutions-Theorie gelten: Fast drei Stunden Sendezeit widmet die ARD im ersten und dritten Programm dem großen Naturforscher (der erste Teil des Films mit Konrad Lorenz, „Sintflut in Raten“, lief am Ostermontag um 21.35 Uhr), doch das viktorianische Aperçu kommt den Zuschauern des Ersten Programms nicht zu Ohren – ebensowenig wie manches andere amüsante und sogar wichtige Detail zur Evolutionstheorie.

Die vom WDR und NDR produzierten Filme zeigen fast beispielhaft, wie unterschiedlich über Darwins Leben, sein Werk und seine Wirkung berichtet werden kann. Die beiden je 43 Minuten langen Beiträge des WDR werden von dem Nestor der Verhaltensforschung und Nobelpreisträger Konrad Lorenz moderiert. Der weißhaarige Wissenschaftler kommt, in Kniebundhosen auf einem Gartenstuhl sitzend, zwischen professoral belehrenden Filmbeiträgen immer wieder ausgiebig zu Wort.

Lorenz’ Autorität in Sachen Verhaltensforschung – auch dieser Zweig der Biologie geht auf Darwin zurück – und seine anekdotisch angereicherten Plaudereien geben dem Zweiteiler eine besondere Note. Dennoch vermag er die textlichen und bildlichen Schwächen des Films nicht zu überdecken: Der historische Teil greift zu häufig auf abgefilmte zeitgenössische Illustrationen zurück, die Erläuterung evolutionstheoretischer Zusammenhänge ist mit Tierfilmen nach Art eines „Darwins Tierleben“ unterlegt; zu den eher statischen Bildern erzählt ein Sprecher mit recht monotoner Stimme und in einer mitunter gestelzten Sprache die jeweils nötigen Fällen. Die trockene Machart wäre noch erträglich, wenn wenigstens alle Informationen korrekt wiedergegeben würden: Geradezu peinlich ist eine Passage über „einen Australopithecus“, den der „britische Anthropologe Robert Leakey“ gefunden haben soll – wo es sich doch offensichtlich um einen Homo habilis-Fund des kenianischen Forschers Richard Leakey handelt.

Die Schwächen des WDR-Films werden beim Vergleich mit Fölsings Film fürs Dritte Programm besonders deutlich. Das anderthalbstündige NDR-Feature baut geschickt gespielte Szenen aus einer BBC-Serie über Darwins Leben ein, zeigt den Wohnsitz des großen Biologen nicht nur als museale Postkarte und geht – dies vor allem – intensiv und kritisch auf den aktuellen Status der Evolutionstheorie ein.