• Wo wird Ihrer Meinung nach der Kapitalzins Ende dieses Jahres liegen?

Christians: Vorausgesetzt, die Dollar-Zinsen machen uns keinen Strich durch die DM-Wechselkurs-Rechnung, erscheint bis zum Jahresende 1982 ein Zinsabbau auf 8,5 bis acht Prozent möglich. Eine weitere wichtige Voraussetzung dafür ist, daß die Konsolidierungsperspektive bei unseren Staatsfinanzen einigermaßen stabil bleibt; der Nachtragshaushalt für 1982, gegebenenfalls die Finanzierung der „Gemeinschaftsinitiative“ und die im Sommer dieses Jahres beginnenden Etatberatungen für 1983 stellen Stolpersteine für einen gradlinigen Zinsabbau dar.

  • Bei einer Zinsdifferenz von etwa sechs Prozent zu den USA muß es doch zu einem unerwünschten Kapitalexport kommen. Sinkt der Kapitalzins nicht zu rasch?

Christians: Die Bundesrepublik stellt sich ihrer Aufgabe als Industrieland, auch in einer Phase von Leistungsbilanzdefiziten Kapital zu exportieren. Nicht zuletzt ist Kapitalexport eine notwendige Begleiterscheinung für den Warenexport. Wir können nicht Waren exportieren wollen und den Export von Kapital verweigern. Befristete Anpassungsnotwendigkeiten an die derzeitige veränderte außenwirtschaftliche Situation praktizieren die Banken im Einvernehmen mit der Bundesbank.

Für international orientierte (deutsche) Kapitalanleger sind schließlich überdurchschnittlich hohe Zinsen eines nationalen Kapitalmarktes durchaus janusköpfig: Sie gewährleisten die vergleichsweise bessere Verzinsung des eingesetzten Kapitals; sie können aber auch Ausdruck eines Währungsrisikos, sein. Auch von daher tun sich Grenzen des Kapitalexports auf.

Am meisten aber spricht gegen zu rasch sinkende Zinsen die uns immer noch in Sachen Stabilität, Haushalts- und Leistungsbilanzsanierung verbliebene Restschuld, die es abzutragen gilt.

  • Wann sollten Schuldner, die hohe Zinslasten tragen, umschulden?