Walter Zadek (Hrsg.): „Sie flohen vor dem Hakenkreuz. Selbstzeugnis der Emigranten – Ein Lesebuch für Deutsche“. Ein Patriarch, sommers in Frankfurt, sonst bei Tel-Aviv, faktisch aber im P.E.N. beheimatet, hat uns ein bemerkenswertes Taschen-Quellenbuch zum Schicksal der aus dem Dritten Reich Emigrierten geschenkt. Kern dieser Publikation und zu Recht der längste Beitrag – obwohl mit Einwilligung des Verfassers etwas abgeändert und stark gekürzt – ist Zadeks paradigmatischer eigner Lebensbericht. Um ihn herum gruppiert er einfallsreich gesammelte, meist mehr oder minder unveröffentlichte Dokumente von Leidens- oder Tatgenossinnen und -genossen. Die aus verlegerischen Rücksichten nötige Verkürzung des Manuskripts um etwa ein Drittel hat leider dazu geführt, daß ein erschütterndes Zeugnis weggelassen wurde. Es war der Report eines in britischer Uniform mit (Lord) Fenner Brockway ins zerstörte Hamburg zurückgekehrten Emigranten. Im Namenregister stören unwichtige Angaben noch mehr als fehlerhafte oder fehlende. Doch derlei ist zu ertragen: Das Buch ehrt nicht bloß den Herausgeber und Autor und seine Mitarbeiter – wenn es Erfolg hätte, würde es auch die deutschen Leser ehren. (Unter Mitarbeit von Christine Brinck und eingeleitet von Hans-Albert Walter, rororo aktuell, Reinbek 1981, 248 S., DM 9,80.)

Helmut Hirsch