Bei sinkendem Einkommen den Lebensstandard halten

Von Gunhild Freese

Der verkaufsoffene Sonnabend im April schien die Wende zu signalisieren: Bei strahlendem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen strömten die Konsumenten zu Scharen in die Innenstädte und drängten sich durch Einkaufsstraßen und Geschäfte.

Schon für das erste Quartal hatte der Karstadt-Konzern in seinen eher teuren Dress-in-Boutiquen zweistellige Zuwachsraten konstatieren können. Und bereits für den Februar hatte das Flensburger Kraftfahrtbundesamt eine deutliche Belebung am Gebrauchtwagenmarkt gemeldet. Endlich also die von Handel und Industrie so sehnlich erhoffte Belebung der Konsumgüterkonjunktur?

Die Zeichen trügen. Die Innenstadtbesucher vom verkaufsoffenen Sonnabend waren mehr Sehals Kaufpublikum. Die hochmodische Damenoberbekleidung wird ohnehin von Konsumkrisen kaum berührt. Und die Belebung am Gebrauchtwagenmarkt wird begleitet von einem Rückgang bei Auto-Neuzulassungen.

Nicht einmal der österliche Einkaufstrubel konnte Konjunkturforscher, Einzelhändler und Hersteller von Konsumgütern täuschen Vom privaten Verbrauch ist auch in diesem Jahr kein Konjunkturfrühling zu erwarten.

Just in der vorösterlichen Zeit verkündeten denn auch die Forschungsinstitute, die der Stimmungslage der Deutschen stets auf der Spur sind, die triste Botschaft: "Die bundesdeutschen Verbraucher", so die Nürnberger Gesellschaft für Konsum-, Markt- und Absatzforschung (GfK), "bleiben pessimistisch." Rund 63 Prozent aller Konsumenten erwarten in den kommenden zwölf Monaten eine Verschlechterung der Wirtschaftslage, fast alle rechnen mit weiter steigenden Preisen, und fast ein Drittel befürchtet eine Verschlechterung der eigenen Finanzsituation.