Einen Kampf um Bonn – so kann man wohl nennen, was sich im Vorfeld jener Demonstrationen abspielt, die aus Anlaß des Nato-Gipfels und des Reagan-Besuchs in der Bundeskapitale im Juni stattfinden sollen. Die Stadt ist kundgebungsmüde, und das kann man ihr nachempfinden. Schon am 10. Oktober letzten Jahres, als die inzwischen fast legendäre Friedensdemonstration stattfand, blieb sie gleichsam verlassen von ihren eigenen Einwohnern, wie eine Hülse nur, eine Kulisse für andere, für Fremde.

An jenem Samstag mieden die Bonner ihre Stadt, überließen sie den Manifestanten, den Langhaarigen und Langbärtigen, vor denen sie sich, obwohl dann rein gar nichts passierte, auch ein wenig fürchteten: manche Geschäftsleute verbarrikadierten ihre Schaufenster und fanden dann auf die Holzbretter freundlichen Spott geschrieben.

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Der 10. Oktober war nun freilich kein langer, kein verkaufsoffener Samstag, so geschäftsschädigend auch immer die Bonner Kaufleute die Besetzung ihrer Welt damals betrachtet haben mögen. Der 5. Juni dieses Jahres hingegen, für den die CDU zu einer Demonstration für Frieden und Freiheit aufgerufen hat, ist ein solcher Samstag, und die Kundgebung wird wieder mitten im Herzen Bonns, auf der Hofgartenwiese vor der Universität, stattfinden.

Zähneknirschend hat die Bonner CDU nachgegeben, hin- und hergerissen zwischen den Interessen ihrer lokalen Klientel, der Geschäftswelt, und den höheren politischen Zwecken. Und inzwischen läuft die Propaganda auf hohen Touren: Kerstin und Rosy-Angela Braun etwa, so verkündet die Union samt ansprechendem Photo in ihrer Parteipostille, dem Deutschen Monatsblatt, die würden ihren Ausflug am 5. Juni nicht in die heimische Umgebung von Wiesbaden machen, sondern eben nach Bonn. Mehr als 100 000 Demonstranten werden erwartet.

Weit mehr, vielleicht sogar eine halbe Million, erwartet die Friedensbewegung, wenn sie sich am 10. Juni in Bonn versammelt. Wo das sein wird, steht freilich immer noch dahin. Denn dann ist Fronleichnamstag, an dem, zumindest vormittags, die Prozessionen durch die Bonner Innenstadt ziehen; und ihren Respekt vor den Katholiken, den wollen diese Demonstranten auf jeden Fall beweisen.

Also haben sie für die Innenstadt, wiederum für die Hofgartenwiese vor der Universität, nur für den Nachmittag, nach den Prozessionen, einige Pläne. Ihre eigentliche Demonstration soll hingegen in der Rheinaue stattfinden, auf jenem Gelände, das einst der Bundesgartenschau gedient hat und nun ein Freizeitpark für die Bonner ist, in unmittelbarer Nachbarschaft des Bundesviertels.