Von Karl-Heinz Janßen

Erinnerungen an Tsingtau und Tsushima blitzen auf, Bilder einer längst versunkenen Epoche. Wie zu Zeiten des klassischen Imperialismus läuft die Falkland-Krise ab: langwierige Mobilmachungen und Kriegsvorbereitungen; nationales Pathos, vermischt mit mütterlichen Tränen und bürgerlichen Besitzängsten; Vermittlungsversuche unter wachsendem Zeitdruck, begleitet von Säbelrasseln; viel Bluff und eitle Drohgebärden, ehe sich das Drama dem unausweichlichen Ende nähert: der militärischen Kraftprobe oder der diplomatischen Lösung. So weit hat es die Staatskunst der Briten und Argentinier gebracht, daß nun der amerikanische Außenminister Haig (und am Rande auch Hans-Dietrich Genscher) Tag und Nacht mit nichts anderem beschäftigt ist als zwei großen und 200 kleinen Inseln im Südatlantik.

In dem Maße, in dem die peinliche Wahrheit durchsickert, daß erst Fehlkalkulationen auf beiden Seiten den Konflikt auslösten, greift unter den Politikern und in der öffentlichen Meinung die Ernüchterung um sich. Beide Kontrahenten, geschüttelt von schweren wirtschaftlichen Krisen, hätten bei einem Krieg nur zu verlieren – an Blut, an Gut, an finanzieller Stabilität, an internationalem Prestige. Solche Einsicht müßte die Verständigung erleichtern, wären da nicht zwei schwache Regierungen, die ums Überleben kämpfen. Sowohl die "Eiserne Lady" als auch ihr sporenklirrender Gegenspieler haben ihr Wort verpfändet, nie und nimmer vor der Gewalt zu weichen. Langsam, aber zielstrebig dampft die englische Flotte weiter gen Süden. Was, wenn sie bei den Falkland-Inseln oder bei Süd-Georgien angelangt ist? Den Diplomaten wird die Zeit knapp.

Für sie reduziert sich der Konflikt auf einen bloßen Flaggenstreit: Die Briten wollen erst ihren Union Jack wieder aufrichten, die Argentinier aber ihre Flagge nicht streichen. Wäre es da nicht am einfachsten, beide nebeneinander wehen zu lassen? Solch simple Formeln auszuhandeln, hat Alexander Haig über Ostern versucht. Drei – Grundmodelle, die es jeder Seite erlaubten, ihr Gesicht zu wahren, sind im Gespräch:

1. Das "Drei-Flaggen-Modell": Amerika würde zusammen mit England und Argentinien über die Autonomie der Falkländer wachen; die Invasoren müßten vorher abziehen, doch nur der britische Gouverneur würde zurückkehren.

2. Das "Hongkong-Modell": England würde die Inselgruppe argentinischer Souveränität unterstellen, sie aber für längere Zeit (zwischen fünf und 99 Jahren) in Pacht nehmen.

3. Das "Andorra-Modell": England und Argentinien würden ein Kondominium errichten.