Bei der Kursbildung haben die Börsianer jetzt die für 1982 zu erwartenden Unternehmensergebnisse ins Visier genommen. Was die Gesellschaften für ihr Geschäftsjahr 1981 zu bieten haben, ist – bis auf wenige Ausnahmefälle – bekannt. Als eine der letzten großen Gesellschaften, bei denen die Ausschüttung für 1981 ungewiß war, hat jetzt die Volkswagenwerk AG mit ihrer Ankündigung Klarheit geschaffen, die Dividende von 8 auf 5 Mark kürzen zu wollen. Da nach den vorliegenden Ergebnissen auch ein Dividendentotalausfall möglich gewesen wäre, herrscht über den Ausschüttungsbeschluß in den Börsensälen Errichtung.

Die Bank-Aktien haben sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres erholt. Treten keine unvorhersehbaren Ereignisse ein, so sollten die meisten Institute in der Lage sein, für 1982 bessere Abschlüsse als für 1981 vorlegen zu können. Bei der Commerzbank wurde die Wiederaufnahme der Dividendenzahlungen als wahrscheinlich hingestellt.

Die Kurse von Bayer und Hoechst profitierten offensichtlich von der fortschreitenden Zinssenkung. Die Ausschüttungsrenditen von knapp unter neun Prozent machen deutlich, daß beide Aktien demnächst mit jenen Renditen konkurrieren können, die bei den festverzinslichen Papieren erzielbar sind. Voraussetzung ist allerdings die Beibehaltung der Dividendensätze von jetzt sieben Mark. Und dafür spricht einiges, auch wenn in diesem Jahr die Anzeichen für eine konjunkturelle Belebung in den Hauptbereichen der Großchemie bislang ausgeblieben sind.

Zu den großen Gewinnern der ersten drei Monate dieses Jahres sind die Lufthansa-Vorzugsaktien zu rechnen, deren Kurse sich um mehr als 40 Prozent verbessert haben. Daß an diesem Kursauftrieb im Wesentlichen spekulative Kräfte beteiligt waren, ist nicht abzuleugnen. An der Börse jedenfalls hat die Lufthansa durch das unwürdige Gerangel um die Besetzung ihrer Führungsspitze keinen Schaden genommen. Möglicherweise wird der Kurs unter Druck geraten, falls man, um dem neuen Lufthansa-Chef den Einstieg zu erleichtern, für 1981 den Vorzugsaktionären die Dividende streicht. Da sie jedoch nachzahlbar ist, wird der Kurs der Lufthansa-Aktien nicht weit zurückfallen.

Zu den Gewinnern des I. Quartals 1982 zählen auch die Aktien der deutschen Versorgungsunternehmen. Der Kostenanstieg bei Importkohle und Öl hat sich beruhigt; bei einer anhaltenden Zinssenkung werden sich auch die Kapitalkosten der Gesellschaft verringern. Zusammen mit den inzwischen durchgeführten. Strompreisanhebungen sollte sich deren Ertragslage in diesem Jahr spürbar verbessern. Beigetragen zu ihrer höheren Bewertung hat aber auch der nachlassende Widerstand gegen den Bau von Kernkraftwerken. Können sie zügiger errichtet werden, sparen die Unternehmen Milliarden. Und das schlägt sich bei ihnen dann nicht nur in den Erträgen, sondern auch in einer langsameren Steigerung der Strompreise nieder.

Aus dem Rahmen fällt der Kursanstieg der Stahl-Aktien. Man spricht bereits von einer Trendwende in der deutschen Stahlindustrie und spekuliert bei Hoesch darauf, daß der Staat ansehnliche Hilfestellung bei der Gründung der Ruhrstahl AG leisten wird, ohne daß die Aktionäre selber sonderlich zur Kasse gebeten werden. K. W.