Wenn Politiker den Rotstift ansetzen, berufen sie sich gern auf des Bürgers Opfersinn. Er sei durchaus bereit, Kürzungen an den Etats von Bund und Ländern hinzunehmen. Das ist wohl richtig; nur zeigen die Umfrageergebnisse der Demoskopen überwiegend anders gewichtete Streichungswünsche, als sie die Regierung vertreten möchte. Das wird besonders deutlich bei den Ausgaben, an denen nach Meinung einer Mehrheit der Befragten nicht gekürzt werden soll: Innere Sicherheit (75 Prozent), Sozialinvestitionen (73), Energieversorgung (62), Umweltschutz (59), Sozialleistungen (58).

Hingegen sind 49 Prozent für Einschränkungen beim Autobahn- und Straßenbau, 43 Prozent für die Herabsetzung der Beamtengehälter. Und die Hälfte aller Befragten befürwortet Kürzungen am Verteidigungshaushalt.

Diese Rangfolge bei den Staatsausgaben läßt sich durchaus als Reihenfolge von Ansprüchen einerseits und Ängsten andererseits verstehen. Das Angstgefälle stimmt dabei nachdenklich. Die Bundesbürger fühlen sich offenbar in ihrer inneren Sicherheit viel stärker bedroht als in der äußeren. Polizisten sind ihnen wichtiger als Soldaten. Bekommt die Bundeswehr auf solche Art die demoskopische Quittung dafür, daß sie strikt gehalten ist, nur für unsere Sicherheit nach außen und nicht auch für „ordentliche“ Zustände im Innern zu sorgen? Es wäre zu bedauern.

H. Sch.