Mit der Unterschrift unter das Umschuldungsabkommen westlicher Banken und der Volksrepublik Polen für 1981 ist der Weg frei für Verhandlungen über die Umschuldung der 1982 fälligen Verbindlichkeiten Polens. Sind die Milliarden, die westliche Banken den Polen ohne Regierungsgarantie geliehen haben, endgültig verloren, oder wird am Ende doch noch die Sowjetunion hilfreich in die Bresche springen?

Für die Banken wird das quälende Verfahren der Umschuldung bald von neuem beginnen. Unter ihnen werden wieder einige fragen, ob es nicht besser wäre, Polen für zahlungsunfähig zu erklären. Nach einer solchen Erklärung würden die gesamten Schulden Polens einschließlich der Zinsen auf einmal fällig. Doch wo nichts ist, haben auch Bankiers ihr Recht verloren.

Der Hinweis auf die gewaltigen Bodenschätze Polens, die gleichsam als Sicherheiten für die Kredite betrachtet werden, hilft nicht weiter. Niemand kann für polnische Kohlengruben die Zwangsvollstreckung einleiten. Westliche Gläubiger könnten sich auch nicht an polnischen Schiffen oder Flugzeugen schadlos halten. Nach internationalem Recht könnte allenfalls das dem Staat gehörende Kapital der Transportgesellschaften gepfändet werden. So bleibt den Bankiers wahrscheinlich auch 1982 als Mittelweg nur das Bemühen, keine neuen Kredite zu geben, aber Verständnis. dafür aufzubringen, daß das Obligo gegenwärtig nicht abgebaut werden kann.

Wenn Polen keine neuen Dollarkredite mehr zufließen, wird das Land wirtschaftlich kaum wieder auf die Beine kommen. Vegetiert es aber im Zustand der praktischen Pleite dahin, dann können westliche Banken jede Hoffnung fahren lassen, die jetzt gestundeten Milliarden jemals wiederzusehen.

Dann bliebe ihnen nur noch der Trost der berühmten Regenschirmtheorie. In ihrer naiven Form hat sie suggeriert, die Sowjetunion würde in jedem Fall einspringen, wenn eines der sieben Länder aus dem kommunistischen Machtbereich in Zahlungsschwierigkeiten kommen sollte. Das Argument, mit dem sich westliche Bankiers Mut machten, dieser Theorie zu vertrauen, hieß: Schließlich hänge auch die Kreditwürdigkeit der Sowjetunion und ihr Prestige von der Zahlungsfähigkeit aller zum Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe gehörenden Länder ab.

Die Polenkrise hat die Regenschirmtheorie auf ihren realistischen Kern reduziert. Seit klar wurde, daß die Sowjets den Polen nicht aus ihrer Bedrängnis geholfen und die fälligen Devisen auf den Tisch westlicher Banken gelegt haben, ist die Theorie zumindest in ihrer naiven Form nicht mehr zu halten. Die Sowjetunion hat zugelassen, daß sich einer ihrer Schützlinge dem demütigenden Verfahren der Umschuldung unterwerfen mußte.

Aber gerade der letzte Akt vor dem Abschluß des Abkommens von 1981 zeigte, daß Moskau den Polen wenigstens soweit half, daß die Umschuldung zustande kam. Voraussetzung war nämlich die Zahlung der fälligen Zinsen von 500 Millionen Dollar. Nach polnischen Angaben sollen die Sowjets den Polen 465 Millionen Dollar geschenkt und die DDR und Ungarn aufgefordert haben, den Polen ebenfalls unter die Arme zu greifen.