Maos Stern verblaßt allmählich in der Volksrepublik China. Das wird nicht nur an den wenigen Portraitbildern deutlich, die heute von der einstigen Flut übriggeblieben sind. Auch im Institut der nationalen Bauernbewegung in Guangzhou (Kanton) wird das nachlassende Interesse am Großen Vorsitzenden deutlich. Das über den Resten eines alten Konfuzius-Klosters erbaute Institut war einst eines der Zentren für den Mao-Kult. 1924 wurde es als Kaderschule der Kommunisten für die bäuerliche Bevölkerung gegründet. Zhou Enlai lehrte dort, Mao Zedong wurde 1926 Rektor der Schulungsstätte. Seine Arbeitszimmer ist (nachgebildet) zu besichtigen, der Lehrsaal ist nahezu unverändert seit den Tagen des Mao-Rektorats. In den vergangenen Jahren war das Institut Ziel eines nicht abreißenden Besucherstroms; wer es heute besichtigen will, muß bisweilen erst mühsam nach der Schließerin suchen, will er nicht vor versperrten Türen umkehren. Die Regierung vernachlässigt die Gedenkstätte allerdings nicht: Kolonnen von Malerinnen renovieren zur Zeit die Seitentrakte der Anlage und wundern sich kiechernd über die unverhofften Besucher.