Von Georg Eyring

„Wenn man satirisch sein will, muß man die Spritze ganz präzise ansetzen, sonst geht die ganze Parodie in die Hosen, wie hier...“

Herbert Rosendorfer in DIE ZEIT Nr. 32 vom 1. 8. 1975

An Selbstbewußtsein hat es diesem Autor nie gefehlt. „Vor 150 Jahren wäre ich wahrscheinlich einer der Kleinmeister der deutschen Romantiker geworden.“ Wir sollen an Joseph von Eichendorff und E. T. A. Hoffmann denken und etwa auch an Gottfried August Bürger und Theodor Storm, ja sogar Heine und Börne gehören zu dieser Zunft. Denn sie alle, die wir als Dichter kennen, haben nicht nur geschrieben, sondern waren auch gelernte Juristen, die dem Staub der Pandekten entflohen, um sich zeitweise oder für immer der Muse der Dichtkunst hinzugeben. „Unter all meinen Talenten ist meine Jurisprudenz der geringsten eins“, schrieb der junge Advokat Goetne und machte fürderhin von dieser Doppelbegabung keinen Gebrauch mehr. E. T. A. Hoffmann, nach Kapellmeisterjahren zurück zu den Akten, stöhnte, „das Schicksal eines Kammer-GerichtsRaths ist indessen wohl nicht beneidenswert. “

Beim Amtsrichter Herbert Rosendorfer ist das anders. Er liebt das Markenzeichen „Richter und Dichter“ und hat einst gar propagiert: „Ich brauche die Richtertätigkeit als Kontakt zum Leben.“ So ist noch kein Artikel über ihn erschienen ohne dieses „Flair eines richtenden Dichters“ mit Scherzen à la „des Amtsrichters Doppelleben“ oder „werktags Richter – sonntags Dichter Die Schnurre schnurrt am besten in Springers Welt, die ihren gern gesehenen Gast hymnisch begrüßt: „An einem Schreibtisch richten, an einem Schreibtisch dichten: Herbert Rosendorfer“, der sich „nach jedem neuen Buch ein Möbel aus Mahagoni kauft“.

Es ist wieder soweit – mit dem Roman aus dem diesem Autor „so wohl-vertrauten Umkreis der Justiz“ –

Herbert Rosendorfer: „Ballmanns Leiden oder Lehrbuch für Konkursrecht“, Roman; Nymphenburger, München, 1981; 256 S., 28,–DM.