Von Hans Otto Eglau

Mit einer dringenden Bitte wandte sich Industriepräsident Rolf Rodenstock an Otto Graf Lambsdorff. Bei seinem vorösterlichen Tokio-Abstecher solle der Wirtschaftsminister seine Gastgeber nachdrücklich ersuchen, günstigere äußere Umstände für die im Frühjahr 1984 in der japanischen Hauptstadt geplante „Leistungsschau der Bundesrepublik Deutschland“ herbeiführen zu helfen.

Der Hilferuf Rodenstocks kam nicht ohne Not: Eine Reihe führender Industriebranchen und Großunternehmen hatte den BDI-Chef gegenüber deutlich ihr Mißvergnügen über eine Veranstaltung durchblicken lassen, deren erhoffte Ausstrahlung ihnen von vornherein als gefährdet erscheint – und dies nicht ganz zu Unrecht.

Wenn es bei den bisherigen Plänen bleibt, muß sich die deutsche Industrie auf dem Harumi-Gelände in Tokio nämlich nicht nur mit zwei hinteren Hallen begnügen, weil die vorderen, verkehrsmäßig günstiger gelegenen Messegebäude schon für eine Parallelveranstaltung unter dem Titel Tokyo Good Living Show vergeben worden sind. Die deutsche Leistungsschau fällt dann auch noch mitten in die sogenannte Golden Week. Das ist eine durch aufeinanderfolgende Feiertage – darunter Kaiser Hirohitos Geburtstag – ausgefüllte Woche, in der vor allem japanische Geschäftsleute nach alter Tradition gerne zu einem Kurzurlaub aufbrechen. Die Vermutung liegt daher nahe, daß statt kompetenter Fachbesucher aus Unternehmen, Verbänden und Ministerien vor allem Ausflügler aus der Provinz, die durch die Living Show angelockt wurden, die Pavillons deutscher Firmen bevölkern.

Hellhörig waren die Anfang März zur konstituierenden Sitzung des Vorbereitungskomitees im Kölner BDI-Haus angereisten Industrievertreter erst geworden, als der von Bonn mit der baulichen Konzeption beauftragte Starnberger Messe-Architekt Georg Lippsmeyer auf Einzelheiten zu sprechen kam. Statt über die durch Besucher der Good Living Show verstopfte Vorderzufahrt könnten Interessenten der deutschen Industrieausstellung, wie Lippsmeyer vorschlug, von hinten per Boot an die Hallen herangebracht werden. Unternehmer mit Japan-Erfahrung wie der Werkzeugmaschinenhersteller Berthold Leibinger bezweifeln wohl zu Recht, daß die fernöstlichen Manager tatsächlich bereit sein würden, auf schwankenden Planken statt im komfortablen Nissan-President vorzufahren.

Das Geplänkel um Nebensächlichkeiten kennzeichnet die Unlust, mit der die deutsche Industrie an die von Bonn subventionierte Selbstdarstellung in der Heimat ihres zur Zeit gefährlichsten Konkurrenten herangeht. „Es gibt Vorbehalte bei Firmen, die noch keinen Zugang zum japanischen Markt gefunden haben und natürlich auch bei einigen von denen, die es geschafft haben“, gesteht denn auch Alfred Selbach, BBC-Vorstandsmitglied und Vorsitzender des Ausstellungs- und Messe-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (AUMA).

Selbach war es auch, der während der Kölner Komiteesitzung die kommerziellen Aspekte der Veranstaltung betonte und – damit deutlich auf Distanz zu der von Minister Lambsdorff favorisierten Technologieschau ging, die vor allem das deutsche Image polieren soll.