Wer mit Hammer und Meißel auf die Jagd nach dem 140 Millionen Jahre alten „Schnorgackl“ geht, der tut gut daran, die Nacht vorher in Solnhofen zu verbringen. Denn nur Übernachtungsgäste erhalten in dem idyllisch gelegenen Ort im Altmühltal von der Gemeindeverwaltung kostenlos einen Berechtigungsschein zum Besuch des Hobby-Steinbruchs. Wer von auswärts kommt und sich nicht in Solnhofen bettet, wird auf die Abraumhalden der Steinbrüche verwiesen.

Der „fossilienhungrige“ Sammler sollte den Solnhofener Hobby-Steinbruch jedoch nicht mit zu hohen Erwartungen betreten. Ein „Schnorgackl“, wie die dünnen Langarm-Krebse im Dialekt genannt werden, wird selbst nach stundenlangem Freilegen von Kalksteinplatten kaum zum Vorschein kommen. Er ist eine ebenso große Seltenheit wie Fische und Insekten oder wie Ammoniten und Belemniten (das sind beides Weichtiere). Statt dessen kann sich der Arbeiter im Hobby-Steinbruch über prächtige Dendriten freuen, die wie versteinerte Pflanzen aus der Urzeit aussehen. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch weder um Farn noch um Moos, sondern um verästelte Kristallbildungen auf Schichtfugen und Kluftflächen der Gesteine, die aus eisen- und manganhaltigen Lösungen entstanden sind. Solche Dendriten werden bei Mineralienbörsen oft zu horrenden Preisen verkauft. Manchmal stoßen Besucher aber auch auf freischwimmende Seelilien, die trotz ihres Namens keine Blumen, sondern kleine Meerestiere sind.

Für Anfänger einige Tips, um die Arbeit im Steinbruch zu erleichtern: Handschuhe mildern den Schmerz, wenn man mal im Eifer des Gefechts statt des Meißels die Hand mit dem Hammer trifft. Ein Kissen bewahrt vor blauen Flecken, die einem sonst vom langen Niederknien sicher sind. Funde wickelt man in Zeitungspapier ein, sonst scheuern die aufeinanderliegenden Platten. Und sollte man wider Erwarten einen wertvollen Saurier- oder Vogelfund machen, muß schnell ein Fachmann geholt werden, bevor man eine zu Stein gewordene Kostbarkeit zerstört.

Lohnend ist ein Rundgang durch das Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen und das Museum beim Solenhofer Aktien-Verein am Maxberg, das an einem der schönsten Flußtäler Deutschlands, im Naturpark Altmühltal, liegt. Diese Ausstellungen zeigen hervorragend erhaltene Versteinerungen aus der Zeit vor 140 Millionen Jahren.

Öffnungszeiten: Museum beim Solenhofer Aktien-Verein ganzjährig täglich von 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr. Bürgermeister-Müller-Museum (1. April bis 31. Oktober) täglich von 8 bis 11.30 und 13.30 bis 17 Uhr; im Winter nur Montag bis Donnerstag von 8 bis 11.30 und 13.30 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 12 Uhr. Ernst Probst