Alljährlich, einige Wochen vor der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin, setzt sich eine aus Vertretern der Werbewirtschaft, der Öffentlichkeitsarbeit und der Publizistik bestehende Jury zusammen, um touristische Filme zu bewerten. Eine schwere Aufgabe, denn die Qualität der meisten Streifen stimmt sehr trübe, wie ein Jury-Mitglied hier aufzeigt.

Fast jeder touristische Film erfüllt zwar seinen Zweck, denn, führt man ihn einem interessierten Publikum vor, vermittelt er durchaus Informationen über ein Reiseziel, ein Schiff oder ein Hotel. Doch kann das den zahlreichen Tourismus-Filmemachern und ihren Auftraggebern wirklich genügen? Es scheint so, denn diese Jury stellt nun schon seit Jahren in stets wiederholter Kritik fest, daß diese Filme immer wieder Phantasie, Originalität oder Künstlerisches vermissen lassen.

Sie sind in ihrer Mehrzahl wie über einen Kamm gescheit. Da reihen sich bunte Bilder artig aneinander, da fehlt kein Volksfest und keine Disko, kein Rathaus und keine Prozession, und all das kommentieren ungeeignete Sprecher mit oft einfallslosen, nichtssagenden oder schwülstigen Texten. Man langweilt sich, anstatt aufzuhorchen, wo doch eine geschulte Stimme, ein warmes Timbre oder ein humorvoller Text einem Film letzten Schliff verleihen könnten.

Kardinalfehler vieler Auftraggeber und Filmemacher scheint es zu sein, alle Facetten eines Landes, einer Stadt oder einer Region in den Film hineinpressen zu wollen: ein durchaus: verständlicher, aber dennoch unkluger Versuch, alles, was man hat, auch zu zeigen – Schwimmbäder, Hotelbars, Märkte, Schulneubauten und natürlich auch, im Schnellschnitt, barbusige Mädchen. All dies wird mit hohem sittlichem Ernst vorgeführt. Warum soll man nicht auch mal bei einem touristischen Film lächeln oder gar lachen dürfen?

So beschwört die Jury seit Jahren die zahlreichen Filmemacher, sich doch weg vom üblichen Klischee zu bewegen und die touristische Botschaft der Filme origineller verpackt zu vermitteln. Dabei sehen die Juroren längst über die zahlreichen landenden oder startenden Flugzeuge hinweg, mit denen fast jeder Film eingeleitet wird oder mit denen er dramatisch ausklingt; weiß man doch, daß es oft die Fluggesellschaften sind, die diese Filme finanzieren.

Doch der Gerechtigkeit halber sei am Ende erwähnt, daß es auch Filme gibt, die durchaus professionell gedreht worden sind und die anzuschauen eine Freude ist. Und so erinnert man sich gern an einen Film über Berlin aus dem Jahre 1980, der die Stadt von der frühen Morgenstunde bis zum späten Nachtleben vorstellte, begleitet von der kessen Ingrid Steeger. Oder an einen Deutschland-Film der Lufthansa, in dem unser Land von einer sympathischen jungen Deutschen liebevoll-kritisch einer ausländischen Freundin gezeigt wurde. Oder an einen Besuch in einer englischen Gemäldegalerie, wo die Kamera die zarten, impressionistischen Sujets der Bilder einfing und dann zu ihren natürlichen Pendants in der englischen Landschaft schwenkte.

Diese Beispiele sind aber leider selten, nur wenige Tourismus-Filme kann man als „künstlerisch wertvoll und gleichzeitig informativ“ einstufen. Ein kleiner Trost war das diesjährige Angebot, in dem die Jury immerhin fünf Filme hervorhebenswert fand, etwa den Streifen über die Spanische Hofreitschule in Wien, einen Film über Lissabon oder den Film über Segelurlaub in Dänemark, bei dem es dem Regisseur darauf ankam, den Segler einmal weg von den Planken und ohne Schulmeistern hin zu den Sehenswürdigkeiten an Land zu führen. Sybill Ehmann