„ZEIT-Gespräche 2“, von Fritz J. Raddatz. Die Gespräche, die Fritz J. Raddatz für die ZEIT mit internationalen Schriftstellern und Politikern führt – ob nun Max Frisch oder Bruno Kreisky, Czeslaw Milosz oder Helmut Schmidt – werden sehr bewußt nicht „Interview“ genannt. Es sind diskursive Erörterungen, streitbare Dispute, in denen gleichberechtigte Gesprächspartner eine Form der Auseinandersetzung gefunden haben. Dabei versucht Raddatz zweierlei: eine Art intellektuelles Porträt seines Gesprächspartners zu zeichnen, das sich aus dem Frage-und-Antwort-Spiel entwickelt, und die von Lessing bis Brecht tradierte Form der Debatte als gültige Form der Aufklärung zu nutzen. Es handelt sich nämlich weniger um „Werkstattgespräche“ – also einen Einblick von außen – als um die Erörterung des stets neu zu definierenden Wirkungsbegriffs der Literatur, (st 770, Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1982; 185 S., 7,– DM.)

„Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff, herausgegeben und eingeleitet von Hang von Kuenheim. Ernst A. Heinrich von Lehndorff kam als junger Mann an den Hof Friedrich des Großen und wurde dort Kammerherr der Königin Elisabeth Christine. Von 1748 die 1775 führte er Tagebuch, das zum erstenmal um die Jahrhundertwende in vier Bänden veröffentlicht wurde. Lehndorff war ein eindrucksvoller und amüsanter Chronist seiner Zeit, der das traurige Glück hatte, in sein. eindrucksvolle Epoche hineingeboren worden zu sein. Er beschreibt die aristokratische Gesellschaft in Berlin und Potsdam, ihre Bälle und Hochzeiten, Affären und Intrigen, während draußen Schlachten geschlagen werden, die über das Schicksal Preußens entscheiden. Der vorliegende Band ist eine Auswahl jener Tagebuchaufzeichnungen, die in einer kleinen Auswahl im vergangenen Jahr in der ZEIT abgedruckt wurden. (Severin und Siedler, Berlin, 1982; 216 S., 28,– DM.)

Günter Haaf: „Die neue Geschichte von Adam und Eva. Der Weg zum Menschen.“ Hundert Jahre nach Charles Darwins Tod streiten „Kreationisten“ immer noch gegen das naturwissenschaftliche Weltbild, wonach auch der Mensch, ein Produkt einer Milliarden Jahre währenden Evolution des Lebens ist. Auch wenn viele und wichtige Details vielleicht niemals befriedigend belegt werden können, so zeichnet sich heute noch ein realistisches, überprüfbares Bild unserer Herkunft ab. „Die neue Geschichte von Adam und Eva“ erzählt die Entwicklungsgeschichte des Menschen nach dem neuesten Stand der Wissenschaft – und zwar konsequent in der zeitlichen Abfolge: von der Entstehung des Universums im „Urknall“ über die Anfänge des Lebens auf der Erde, über die Entwicklung mehrzelliger Organismen und Wirbeltiere bis hin zu Urmenschen und schließlich zum modernen Homo sapiens sapiens. Sie zeigt auch, wie Menschen unserer Herkunft zu erforschen begannen, welchen Irrtümern und Fälschungen Wissenschaftler aufsaßen. Und sie beschreibt, warum wir trotz aller Gemeinsamkeiten mit anderen Lebewesen einzigartig sind. (Praesentverlag Heinz Peter, Gütersloh, 1982; 208 Seiten im Großformat mit mehr als 300 meist farbigen Abbildungen; 42,– DM. Eine Lizenzausgabe erscheint gleichzeitig im Bertelsmann Club; Titel: „Adam und Eva“.)

„Ein Herz und eine Seele“ von Hans Wilhelm (Bild) und Sybil Gräfin Schönfeldt (Text). „Warum habt ihr nichts gegen die Nazis unternommen? Warum seid ihr nicht ausgewandert?“ Das sind Fragen, die Kinder und Jugendliche oft bei Gesprächen über die Jahre zwischen 1933 und 1945 stellen und die aus den verschiedensten Gründen nicht beantwortet werden. Der amerikanische Bilderbuchmaler Wilhelm ist nun dem Schicksal einer Familie nachgegangen, hat ihre Herkunft und ihre österreichische Heimat dargestellt und ihre Entschlossenheit, sich nicht von den Nazis korrumpieren zu lassen. Indem sich Wilhelm nur auf den Alltag der Eltern und ihrer neun Kinder konzentriert, gelingt es ihm, Kindern von heute klarzumachen, was es bedeutete, ein geliebtes und behütetes Heim mit nichts als ein paar Kleidern verlassen zu müssen. Freiheit und ihre Kehrseite, für diese und für Tausende von Flüchtlingen: totale wirtschaftliche Ungesichertheit. In dieser Familie, der des Barons von Trapp, besaß freilich jeder ein musikalisches Talent, das sie retten sollte. Sie wurden die Trapp-Singers, sie arbeiteten wie wild, sie hatten Erfolg, stellten die Früchte dieses Erfolgs aber 1945 sofort zur Hilfe ihrer notleidenden Landsleute zur Verfügung, sammelten Geld und Gaben und übernahmen selbst den Transport, und mit dieser privaten Hilfs- und Versöhnungsaktion schließt das Bilderbuch. Daß diese Familie die Kommerzialisierung ihres Erfolges für das ästhetische Gefühl vieler in NS-Deutschland Gebliebener später zu weit getrieben hat, ist nicht mehr das Thema dieses Buches. (Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1982; 88 S., 28,– DM.)