Eine Reportage – spannend, aber oberflächlich

Von Gabriele Venzky

Der Reporter Wiedemann ist ein Mann, der sein Handwerk versteht. Flott, locker und schnoddrig meldet er sich zu Wort, nämlich zu Themen, die Konjunktur haben. War es bei seinem letzten Buch Idi Amin von Uganda, so ist es diesmal der Rassenstaat am Kap der Guten Hoffnung:

Erich Wiedemann: "Wir reiten, bis wir im Blut versinken. Rassenstaat Südafrika"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1981, 307 S., 28,– DM.

Als hätte es noch eines weiteren Beweises bedurft – Ende August vergangenen Jahres bewahrheitete sich schon der Ausspruch jenes Farmers aus der Nähe von Kapstadt, der dem Buch den Titel geliefert hatte: "Laß sie nur kommen und versuchen uns zu packen. Wir werden reiten, bis wir im Blut versinken." Nur Ende August, waren es nicht sie, die kamen, sondern die Buren, die ritten, nach Angola, um sie sich vom Leibe zu halten. Es geht um Namibia, darum, wer dort das Sagen hat, es geht um den Spielraum, den die weiße Wagenburg in Südafrika noch hat. Seit Premier Pieter Botha das Ruder wieder herumgeworfen hat und statt Versöhnung abermals Härte predigt, ist absehbar, daß die weißen Herrenmenschen an der eigenen Unvernunft zugrunde gehen wollen. Sicherlich wird das noch einige Zeit dauern. Zu Recht weist Wiedemann auf die hoffnungslose Desorganisation der schwarzen innersüdafrikanischen Opposition hin. Und er vermerkt, daß die meisten schwarzafrikanischen Staatschefs ihre Armeen eher zur Wahrung der eigenen Macht als zur Befreiung der Schwarzen in Südafrika einsetzen würden.

Daß es auf dem verhängnisvollen Weg, den die weißen Südafrikaner eingeschlagen haben, kaum noch ein Zurück geben kann, schildert der Autor sehr anschaulich. Er liefert keine tiefschürfende Analyse, sondern er überläßt es dem Leser, sich an Hand eklatanter Beispiele das richtige Urteil zu bilden. Das liest sich spannend, manchmal fast reißerisch; und sicherlich wird dieses Buch manchen an das wichtige Thema Südafrika heranführen, der bisher vor ideologisch gehaltenen Darstellungen zurückgewichen ist.

Allerdings wird vieles allzu oberflächlich dargestellt, und einiges gerät in die Nähe der Fragwürdigkeit. Etwa die Art, in der sich Wiedemann mit den Rassentheoretikern Eysenk, Shockley und Jensen auseinandersetzt, mit der er politisch Andersdenkende in der Bundesrepublik abkanzelt, mit der er sich über schwarze Regierungschefs lustig macht, und schließlich die Art, mit der er glaubt, gegen marxistische Propagandakompanien zu Felde ziehen zu müssen.

Wiedemann hat leider seiner Forschheit viel zu häufig freien Lauf gelassen. Das schadet dem Buch, das ja Leser erreichen sollte, die sich für Südafrika und seine Probleme interessieren.