Polens Ebbe reicht bis Havanna

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Sowjetunion, die durch die polnische Krise noch größer geworden sind, wirken sich jetzt auch auf Kuba aus. Moskaus Hilfe für Castro wird in nächster Zeit beträchtlich abnehmen. Bisher stützen die Sowjets ihren einzigen Vorposten in der westlichen Hemisphäre mit rund 8,5 Millionen Dollar täglich. Aber die für den laufenden Fünfjahresplan vorgesehene Steigerungsrate im sowjetisch-kubanischen Handel ist um 50 Prozent geringer als zwischen 1976 und 1980. Außerdem stellen die Sowjets viele Zahlungen an Kuba von verlorenen Zuschüssen auf Handelskredite um, die zurückgezahlt werden müssen. Die neue Entwicklung hat Präsident Reagans Berater bisher noch nicht zu einer „angebotsorientierten“ Wirtschaftspolitik gegenüber Kuba angeregt, im Gegenteil. Ein amerikanischer Diplomat: „Kuba könnte versteigert werden – aber es gibt nur einen Bieter.“

Das Empire und die Gewerkschaft

Die britische Maschinenbau-Gewerkschaft hat einer Gruppe von Flugmotoren-Spezialisten in den Rolls-Royce-Werken verboten, während des Osterwochenendes in Überstunden die Triebwerke von Harrier-Trägerjagdflugzeugen zu überholen, die als Reserve für den Einsatz im Falkland-Konflikt bereit gehalten werden sollten. Ein überwiegendes nationales Interesse an der Feiertagsarbeit wollte die Gewerkschaft nicht gelten lassen: Rolls-Royce hatte vor drei Monaten die Entlassung von achthundert Facharbeitern wegen schlechter Auftragslage angekündigt.

Falsch gebrüstet

Sein Hang zu Übertreibungen – eine Angewohnheit aus der Zeit in Hollywood? – hat Ronald Reagan schon mehrfach in Bedrängnis gebracht. Jetzt warf die Vorliebe des Präsidenten für Superlative auch einen Schatten auf seinen karibischen Kurzurlaub. „Wir haben auf dem Wege hierher erfahren“, brüstete er sich während eines Empfangs beim Premierminister von Barbados, „daß ich seit 1934 der erste Präsident der Vereinigten Staaten bin, der der Karibik einen Besuch abstattet.“ Wieder einmal danebengetippt, Mr. President, lauteten die Pressekommentare. Allein während der letzten acht Jahre weilten zwei US-Präsidenten an karibischen Gestaden: Gerald Ford besuchte Martinique, Jimmy Carter Guadeloupe.

Patriotische Guerrilleros