Die Kenntnis der umbrischen Seele setzt Zuneigung voraus

Von Christel Hofmann

Schon die Hinfahrt war ein Spektakel. In Chiasso kamen die Räuber.

Der Liegewagenbegleiter des Zuges Stuttgart-Rom zog sich diskret zurück. So diskret, daß er zum Wecken und zur Frühstückszeit unauffindbar blieb. Dank der Verriegelungskunst des mitreisenden Ehepaars zogen erst vier, später zwei Räuber unverrichteterdinge an unserem Abteil vorüber. In der Nachbarschaft, ließ sich am Morgen vernehmen, seien sie fündig geworden.

Nun, kein Räuber der Welt vermöchte mich vom Lande Dantes, Petrarcas oder Boccaccios, der Heimat des Poverello di Dio abzuhalten. Von allen Ecken der Welt her käme ich zum Trotz...

Ich richte es immer so ein, daß ich zur Zeit der Siesta ankomme, heimlich, auf leisen Sohlen, wenn die Welt sich hier für zwei oder drei Stunden verabschiedet hat.

Ich liebe Arezzo. „Bruna ti miro dall’ aerea loggia“, huldigt Gabriele d’Annunzio der Schönheit Arezzos. Ich bin kein Dichter. Mich begrüßt einer jener friedfertigen Straßenhunde, deren Wollpelze wegen der sommerlichen Hitze von Brust und Rücken geschoren sind. Er ist zufrieden mit mir und geht seiner Wege. Ich meiner auch. Ich lege Wert darauf, daß die Hunde mich hier nicht für einen Touristen halten.