Meine „Regeln“ können lediglich Vorschläge sein. Aber Normen sind ja nicht nur Zwänge, sind oft auch Hilfen. Einem Ausländer, der Deutsch lernen will, ist wenig damit gedient, wenn Sie ihm sagen: Das können Sie so, aber auch anders machen.

Einer meiner Vorschläge hieß, der Konjunktiv sollte überall dort stehen, wo es Gründe gibt, sich von der in indirekter Rede vorgebrachten Aussage eines-anderen zu distanzieren. Ein Satz von Eike Christian Hirsch widersprach dieser Regel. Es ging dabei um Einzelheiten, die genannt werden, „als stehe fest, daß es sie gebe“. Hinter dem „Daß“-Satz verbirgt sich jedoch gar keine indirekte Rede, keine Aussage, von der man sich distanzieren müßte. Die Zweifel an der Existenz der Einzelheiten sind ausreichend angemeldet. Im übrigen heißt es: Ich weiß, daß es sie gibt; ich zweifle, ob es sie gibt; ich bestreite, daß es sie gibt. Allenfalls: Es ist möglich, wünschenswert, daß es sie gebe (aber auch dieser vertretbare Konjunktiv ist eigentlich nicht nötig, hat schon ein bißchen was Antiquiertes).

Noch weniger glücklich als mit dem „gebe“ bin ich mit dem „stehe“ in dem Hirsch-Satz. Wir haben ja, da der Konjunktiv zeitlos verwendet werden kann, noch einen „Konjunktiv“ übrig, den vom Imperfekt-Stamm gebildeten nämlich, den wir als wirklichen Konjunktiv nur dort brauchten, wo der eigentliche, der Präsens-Konjunktiv sich nicht vom Indikativ unterscheidet.

Es ist Sprachgebrauch geworden, diesen vom Imperfekt-Stamm gebildeten Konjunktiv als „Irrealismus“ zu verwenden, das heißt, ihn immer dann einzusetzen, wenn gesagt werden soll, daß etwas sich in Wirklichkeit so nicht verhält:

Wenn das Wetter schön wäre ... (es ist miserabel).

Glaubtet ihr mir nur... (ihr glaubt mir nicht).

Hätte er aufgepaßt... (er hat nicht). Als ob inzwischen nichts geschehen wäre... (es ist viel geschehen).