Der Konflikt mit England macht das Land zu einem schlechten Risiko

Bankiers reagieren schnell. Am Freitag vergangener Woche trafen sich die sieben Konsortialführer für die geplante Zweihundert-Millionen-Dollar-Anleihe des argentinischen Stromversorgungsunternehmens Segba in New York und beschlossen einstimmig, den Anleiheplan zunächst für dreißig Tage auf Eis zu legen. Ursprünglich sollte der Anleihevertrag Anfang Mai unterschrieben werden.

Den Sinneswandel hat die Europäische Gemeinschaft mit ihrer Entscheidung herbeigeführt, in einem Anflug solidarischen Verhaltens mit England argentinische Importe für dreißig Tage zu boykottieren. Dadurch verliert Argentinien 27 Prozent seiner normalem Deviseneinnahmen und damit die Fähigkeit zur pünktlichen Tilgung und Verzinsung seiner Aulandsschulden.

Mißt man die Schuldendienstzahlungen am gleichzeitig erwirtschafteten Erlös aus dem Warenexport, dann zählt Argentinien mit mehr als fünfzig Prozent zu den am höchsten verschuldeten Entwicklungsländern. Im April dieses Jahres steht das Land bei den großen Banken der Welt mit etwa 25 Milliarden Dollar in der Kreide. Die deutschen Banken und ihre Auslandsfilialen sind daran mit 2,9 Milliarden nur relativ bescheiden beteiligt. Was die selbständigen Auslandstöchter der deutschen Banken an Argentinien geliehen haben, weiß auch die Bundesbank nicht. Weitere neun Milliarden Dollar aber hat Argentinien bei internationalen Finanzinstituten aufgenommen.

Da aber die öffentlichen Kreditgeber, die ihre Ausleihungen im allgemeinen mit weicheren Konditionen ausstatten, den fortgeschrittenen Entwicklungsländern gegenüber immer zurückhaltender geworden sind, mußte sich Argentinien zunehmend zu Marktkonditionen verschulden.

Die Wirtschaftsdaten des Landes machen es verständlich, warum die militärischen Machthaber eine Entlastung im Abenteuer auf den Falkland-Inseln gesucht haben. 1981 führte die Rezession zu einer Schrumpfung des Sozialprodukts um fünfeinhalb Prozent, nachdem es 1980 noch um ein Prozent, im Jahr zuvor sogar um sieben Prozent gewachsen war. Zur Finanzierung von konjunkturstützenden Maßnahmen hat die argentinische Zentralbank den Geldhahn aufgedreht. Die Inflationsrate stieg daraufhin von 88 Prozent im Jahre 1980 auf 131 Prozent 1981. Eine positive Wende war nur an der außenwirtschaftlichen Flanke zu beobachten. Wegen der Abwertung des argentinischen Pesos und wegen guter landwirtschaftlicher Produktionsergebnisse ist das Defizit der Handelsbilanz, das 1980 noch 2,4 Milliarden Dollar ausgemacht hat, auf 20 Millionen Dollar geschrumpft.

Dennoch trägt das Land schwer an seinem Schuldendienst. Denn der größere Teil der Schulden ist kurzfristig. Nach einer Statistik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel vom Januar 1982 waren von rund 23 Milliarden Dollar Devisenschulden am 1. Juli 1981 fast zwölf Milliarden Dollar innerhalb eines Jahres fällig. Weitere zwei Milliarden Dollar müßten die Argentinier innerhalb von zwei Jahren zurückzahlen, und nur achteinhalb Milliarden Dollar sind erst später fällig. Um eine zu starke Belastung ihrer Leistungsbilanz zu verhindern, bemühten sich die Argentinier schon 1981 darum, die kurzfristigen Verbindlichkeiten in längerfristige umzuwandeln.